Von Messern und Scheren

Ein türkischer Freund aus der schönen Stadt Bursa berichtete mir kürzlich von einem interessanten Brauch in seinem Land, den ich an dieser Stelle gern teilen möchte, weil ich ihn witzig und ziemlich unterhaltsam finde. Er stammt aus der Welt des Kinderkriegens: Unter zwei Kissen legt jemand je eine Schere und ein Messer. Die schwangere Frau soll sich für ein Kissen entscheiden und sich dann darauf setzen. Befindet sich darunter die Schere, so glaubt der Türke, wird es ein Mädchen. Setzt sich die werdende Mutter auf das Messer, wird das Baby – richtig – ein Junge. Amüsant oder?

 

 

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Türkische Gaumenfreuden

Mal so ganz nebenbei bemerkt: Ich stehe ja total auf türkisches Essen! In der drittgrößten Stadt der Türkei – in Izmir – habe ich kürzlich sehr schmackhaftes „Adana Kebap“  (siehe eindrucksvolles Foto unten) gegessen – und für absolut gut befunden. Auch total lecker: die Beilagen. Gegrillte Tomaten, grüne Pepperoni und „Maydanoz“ – Petersilie.
(Kleiner Themenexkurs: Habe ich schon erwähnt, dass „maydanoz“ mein erstes Wort auf Türkisch war? Sehr bald darauf folgten „teşekkürler“ – danke – und „çooook teşekkürler“ – viiiielen Dank.)

Zurück zum Adana: Die meisten von euch kennen diese gut gewürzte Köfte-Variante, bei der das Hackfleisch auf Spießen zumeist über Holzkohle gegrillt und anschließend auf Brot („kebap“) gelegt wird. Doch was die wenigsten wissen: Die Köstlichkeit stammt aus der türkischen Stadt Adana in der gleichnamischen mitteltürkischen Provinz. So weit, so gut.

Und was sonst noch? Viel Zeit nehmen … Beim Essen immer ganz viel Zeit zum Genießen nehmen – ein Stück türkische Mentalität, die ich auf jeden Fall in meinen Alltag integrieren werde (falls ich das schaffe bei all der Hektik …).

Na dann: „Afiyet olsun“ – guten Appetit!

 

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Back again

Merhaba Freunde! Wenn einer eine Reise tut, so hat er viel zu erzählen. Soviel ist klar. Und hat einer eine Reise getan und ist dann wieder daheim angekommen, so muss er sich und seine Gedanken erst einmal neu sortieren. Zumindest geht es mir jetzt so.

Seit drei Tagen bin ich wieder in Deutschland, habe die Westtürkei hinter mir gelassen. Meine Stationen während des Reisemonats waren unter anderem: Izmir – Kuşadası – Didim – Bodrum – Fethiye – Antalya – Denizli – Salihli – Ayvalık – Bursa – Istanbul. Gerade erst angekommen – und schon vermisse ich meine neuen türkischen Freunde. Danke für alles! Çok teşekkürler!

Ihr könnt euch sicher denken, dass ich jetzt wie wild Bilder sichte und sie natürlich alle mit euch teilen möchte. Später wird es dann auch wieder Reisereportagen geben, die euch hoffentlich gefallen werden.
Hier erst einmal eine kleine Fotoimpression.

Görüşürüz, ihr Lieben!

Die „weiße Stadt“: Bodrum. Sie befindet sich in der Provinz Muğla (Südwesten der Türkei).

 

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Grüße aus der Westtürkei!

Nein, ich bin nicht verschollen, keine Sorge! Ich reise nur gerade einen Monat in der Türkei umher. Zur Zeit befinde ich mich in Antalya. Stationen davor: Izmir, Kusadasi, Didim, Bodrum und Fethiye (da ist auch das unten stehende Foto entstanden). Bericht folgt, bis bald!

 

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Einmal Nepal – und zurück

„Ehrlich gesagt war der erste Tag der schwierigste der ganzen Reise“, erzählt Sebastian Nehrdich. „In dem Moment, als ich mit dem Fahrrad von Gehrde losfuhr, wusste ich nicht, was auf mich zukommen würde. Man macht sich da vorher seine Gedanken.“ Der 22-Jährige spricht von seiner Radtour quer durch die Welt: Seine Route führte ihn über Osteuropa nach Griechenland, in die Türkei, in den Iran, nach Pakistan bis hin nach Indien undNepal.

Hier war Endstation, er nahm in Katmandu den Flieger zurück nach Deutschland. „Vorn und hinten am Rad hatte ich je einen Gepäckträger, auf denen ich das Wichtigste verstaute“, erzählt Sebastian. „Darunter ein Zelt, einen Schlafsack, eine Isomatte, einen Kocher und ein paar Wechselklamotten. Ach ja: und eine EC-Karte. Mehr braucht man eigentlich nicht.“

Wie kam der junge Mann eigentlich auf die Idee, eine so abenteuerliche Radtour zu unternehmen? „Ich fahre seit langem gern Rad und bin schon bis ans Mittelmeer gereist. Da dachte ich, wenn ich es bis dorthin geschafft habe, schaffe ich es vielleicht bis nach Indien.“ Mit Indien verbindet Sebastian Nehrdich ohnehin viel. „Ich kannte das Land vorher zwar nicht, aber ich habe einen Kurs über Stille Meditation in Belgien gemacht, die ursprünglich aus Indien stammt. Darüber wollte ich mehr erfahren.“ Indien bot sich also an.

Am 1. November 2010 geht es für Sebastian allein von Gehrde aus nach Lübeck, wo er seine Schwester besucht – und sich im Anschluss mit drei weiteren jungen Männern trifft, um gemeinsam mit ihnen loszuradeln. In Griechenland trennen sich ihre Wege: Zwei fahren weiter nach Italien, Sebastian und sein russischer Freund Viktor setzen mit der Fähre in die Türkei über. In Kurdistan besuchen sie Sebastians Vater, der zwischen Deutschland und dem Irak hin und her pendelt. „Er arbeitet für die Firma Deutag und ist abwechselnd einen Monat zu Hause, den anderen dann im Ausland.“ Sebastians Mutter ist zu diesem Zeitpunkt ebenfalls zu Besuch – Gelegenheit, eine dreiwöchige Verschnaufpause einzulegen.

„Im Januar 2011 sind Viktor und ich weiter in den Iran“, erinnert sich Sebastian. Dort hatte er dann seine erste – aber immerhin einzige– Fahrradpanne. „Ich bin etwas übermütig über eine Schotterstraße gebrettert, der Rahmen brach. Aber am Straßenrad habe ich einen Arbeiter gefragt, ob er ihn reparieren kann. Kurzerhand hat er den Rahmen zusammengeschweißt. Ich habe dafür vielleicht zwei Euro gezahlt. Das erlebt man hier in Deutschland nicht. Hier wird so eine Reparatur richtig teuer.“

Vom Iran aus reist der Weltenbummler allein weiter. „Viktor nahm spontan den Bus nach Kasachstan, um seine Wurzeln zu erforschen. Das war anfangs nicht geplant, hatte aber einen gewissen Reiz für mich.“ Es geht weiter über Turkmenistan, Usbekistan, Tatschikistan und Kirgististan bis nach China. „Landschaftlich fand ich China irgendwie nicht so toll – zumindest bei dem, was ich gesehen habe. Tatschikistan hingegen hat eine spektakuläre Landschaft.“

Von China radelt Sebastian weiter nach Pakistan – ganze drei Monate verweilt er dort. „Im Nachhinein kann ich sagen, dass mir Pakistan am besten gefallen hat. Die Menschen sind sehr gastfreundlich und herzlich, die Natur ist atemberaubend schön“, schwärmt der Gehrder. „Es wirkt wie ein verlassenes Paradies, es sind ja kaum Touristen dort.“

Im November 2011 erreicht Sebastian die indische Grenze. Die erste Stadt, die er dort sieht, ist Amritsar. „Ich ging davon aus, dass sich mir ein ähnliches Bild wie in Pakistan zeigen würde. Doch weit gefehlt: Indien war auf den ersten Blick schmutzig. So etwas hatte ich bisher noch nie gesehen.“

Er schaut sich den Golden Tempel an – die wichtigste heilige Stätte der Sikhs. Dann radelt er weiter über Rishikesh in den Bundesstaat Uttar Pradesh. Dort bleibt er eineinhalb Monate in einem Meditationszentrum.

„Ich habe da als freiwilliger Helfer unter anderem in der Küche mitgemacht. An diese Zeit erinnere ich mich gern zurück – wir waren eine gemischte Gruppe aus Einheimischen und ein paar Europäern. Und wir haben viel von- und übereinander gelernt.“

Endstation ist Nepal. Hier besucht Sebastian Nehrdich unter anderem Lumbini, den Geburtsort von Buddha – und lässt die Seele baumeln, meditiert einen Monat lang. „Das war auch mehr als nötig. Denn so eine Tour bringt psychisch und physisch eine Menge Strapazen mit sich.“

Seit zwei Wochen ist der angehende Musikstudent wieder in der Heimat. Gibt es eigentlich etwas, das er während seines Trips fürs Leben mitgenommen hat? „Oh ja, da gibt es viele Dinge. Doch das Wichtigste ist: Ich bin genügsamer geworden.“ Dann fügt der junge Mann hinzu: „Man braucht überhaupt sehr wenig, um ein zufriedenes Leben zu führen.“

(Artikel erschienen 03/2012 in der Neuen Osnabrücker Zeitung)

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