TomPola in Bakenberg

Der „Hommage“ an meine Cousine Anja folgt nun die an meinen Cousin Thomas alias TomPola. Er ist Komponist der Jena-Hymne und Sänger sowie Bassist bei M.A. Style.

Selbst schreibt er über sich:
Bei Tageslicht Radioproduzent, nach Eintreten der Dämmerung
Komponist, Texter und Gitarrist von M.A. Style, studierte ursprünglich
Musik (Gitarre, Arrangement) und betreut seit vielen Jahren Projekte
aus verschiedensten Bereichen. Für May B. kam sein geliebtes
Instrument wieder zum Einsatz, Klampfer bleibt eben Klampfer.
Dementsprechend gesinnt zeigt sich Tom auch auf die Frage nach
Vorbildern. AC/DC und Pink Floyd aber auch Musik von ganz anderer
Seite: Depeche Mode, Black Eyed Peas…

Ungeduldig, aber immer nach dem Motto: Alles ist möglich. Rastlos und
manchmal ein Träumer, eben so, wie man sich einen echten Musiker vorstellt.

„Auf eine bestimmte Musikrichtung kann und will ich mich dabei nicht festlegen“, sagt Thomas,
“ … dafür ist mein musikalisches Interesse zu vielschichtig“. Und wenn etwas stimmt, dann das. Und das sage ich nicht nur als Cousine.

In seine Musik reinhören kann man HIER.

Eines seiner Projekte wird viele zum Schmunzeln anregen: Bakenberg auf Rügen.
Gutes Amusement!

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Bahnsinn

„Moooment mal, junger Mann! Sie woll’n doch nich etwa ooch noch hier rinn?!“Der Service-Mitarbeiter der BVG ist klein und untersetzt. Und er hat ein äußerst unsympathisches Gesicht. Auf jeden Fall ist er gestresst. Liegt wohl an der momentanen Nahverkehrssituation hier in Berlin: Die S-Bahnen verkehren unregelmäßig, zu wenige Züge sind im Einsatz. „Sie seh’n doch, dass hier allet voll is!“ Der BVG-Mann funkelt den ahnungslosen Jüngling mit dem Fahrrad draußen vor der Waggontür vom Gang aus mit hochrotem Kopf an. Ich staune. So klein wie der Kerl ist, so laut kann er auch schreien: sehr.

Der große Blonde mit dem Drahtesel kratzt sich verlegen an der Wange und sieht verunsichert aus. „Hier sind schon Räder drin. Sie passen hier nicht auch noch rein! Fahren Sie mit Ihrem Rad!“, schnaut der BVG-Mitarbeiter weiter. Ich spüre Wut in mir aufsteigen. Nun ist es ja auch mal wieder gut. Der Junge wendet sich mitsamt seinem Rad kopfschüttelnd und verlegen grinsend zum Gehen ab. Ruhe. Zumindest vorerst.
„Unmöglich“, sagt der BVG-Mann eine halbe Minute später zu seinem Kollegen. „Bei dieset schöne Wetta will der mit sein Rad hier rin. Wozu hat’n der eens. Der is jung, der kann doch ooch ma seine Muskeln benutzen.“ Der Kollege schaut verlegen drein. Der andere ist ihm sichtbar peinlich. Ich möchte etwas sagen, doch jetzt herrscht Ruhe. Vorerst.

Wir erreichen den Bahnhof Gesundbrunnen. Bisher war eine ganze Weile Ausstieg in Fahrtrichtung links, jetzt ist rechts dran. Ich stehe in der mittleren Tür auf der anderen Seite. Mist. Ich ahne Schreckliches, als die Bahn hält und ich versuche, mich so schmal wie möglich zu machen, um die Reisenden aussteigen zu lassen. Ich dränge mich an die Glaswand an der Seite der Bahntür. Die Passagiere quetschen sich an mir vorbei, ziehen Schultern und Bauch ein. Ich kann nicht aussteigen, denn ehe ich wieder im Zug sein werde, wird dieser hoffnungslos überfüllt sein und mir keinen auch noch so winzigen Platz bieten.

„Junge Frau!“ schreit es aus dem Gang. Ich hab’s geahnt. Seufzen meinerseits. Redet er alle mit „junger Mann“ oder „junge Frau“ an? Auch 99-Jährige? Ja, ganz bestimmt tut er das. Er ist der Typ dazu. Ich grübele darüber nach, warum er wohl so unzufrieden sein mag … Jetzt ist er auf einmal ganz in meiner Nähe – neben mir. Genau mir gegenüber! „Sie seh’n doch, dass die anderen aussteigen woll’n!“, seine Stimmbänder vibrieren wütend, seine Augen ein einziges Funkeln. Ich schaue an ihm herab und lächele. Ein kurzes, kaum merkliches Zusammenziehen der Augenbrauen. „Müssen Se hier jenau im Weg steh’n?!“ Mir platzt beinahe der Kragen, doch ich kann meinen Unmut im Zaum halten. Ich lächele weiter und atme langsam in den Bauch, dann wieder aus. Das soll ja helfen.

Das Atmen hilft nicht: Noch während er aus der Tür geht und bereits auf die Treppe zusteuert – den humpelnden Kollegen im Schlepptau – reißt die Lautstärke in seiner Stimme nicht ab. Was er sagt, ist wirklich nicht freundlich. MIr reichts. In drei langgezogenen, einzeln betonten Silben brülle ich ihm hinterher: „FREUND-LI-CHER!?“ Doch murmelt steigt er die Stufen der Treppe hinab.

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