Bildung und Hochstühle

Unterwegs im Bus. Gute Musik in den Ohren. Hardenbergstraße Richtung Ernst-Reuter-Platz. Gleich bin ich da, wo ich sein möchte. Mir gegenüber sitzen zwei sich unterhaltende Frauen mittleren Alters. Soweit ganz harmlos. Doch als die eine immer häufiger die Stirn runzelt und die andere immer stärker ihren Kopf schüttelt, möchte ich wissen, um was es geht. Unauffällig die starken Töne leiser gedreht. Na, besser ganz aus, damit ich nichts verpasse.

„Nein, das finde ich nicht!“, sagt jetzt die mit den leicht ergrauten Haaren im Schläfenbereich. „Viel zu  lasch, viel zu unkonsequent die Lehrer hier! Und die Studenten, schauen Sie sich doch die mal an. Ein Lotterleben ist das doch, was die führen. Die lernen doch alle nichts mehr. Was die …“ Die Frau mit der dunkelgrünen Wollmütze zieht die Augenbrauen zusammen und unterbricht vehement.
„Das ist doch jetzt nicht Ihr Ernst. Das können Sie doch jetzt nicht sagen! Meine Tochter absolviert auch ein Hochstuhlstudium!“
Und eigentlich möchte sie weiterreden, sich auslassen über das, was ihr Kind in der Universität alles leisten muss und wie stolz sie darauf ist.

Doch dazu kommt es nicht mehr, denn sie sieht mich grinsen.  Ungläubig schaut sie erst mich und dann ihre Sitznachbarin an. Diese grinst ebenfalls – dann prustet sie los. „HochSTUHLstudium“ sage ich, zucke lächelnd mit den Achseln und sehe zu, dass ich zum Ausgang komme.

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5 Antworten auf „Bildung und Hochstühle“

  1. Das gehört wohl auch zu den peinlichen Versprechern. Aber, wenn es passiert ist, und man noch darüber lachen kann…! Allerdings, ich hätte auch geschaut, dass ich zum Ausgang komme!

    Lieben Gruss, Brigitte

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