"Wir suchen niemals die Dinge,
sondern das Suchen nach ihnen."
[Blaise Pascal]


"Berlin: Begegnungen und Begebenheiten"
(Autorin: Coralita)

Wenn uns der Herbstblues packt …

Getippt am 15. Nov. 2011 von | Schublade: Begegnungen, Gedanken, Gefühle, Neu hinzugefügt

Die Tage sind kürzer geworden, die Abende – und die Gesichter – länger. Die eisige Kälte lässt auch nicht mehr lange auf sich warten. Ob wir wollen oder nicht: Die dunkle Jahreszeit ist da – und mit ihr auch der Herbstblues oder gar die Depression. Warum das so ist und was wir dagegen tun können, erklärt Heilpraktikerin Diane Knitsch aus Quakenbrück. In ihren Praxen in Badbergen und Meppen bietet die 37-Jährige die sogenannte Meridian-Klopftechnik an. Dabei werden bestimmte Energiepunkte am Körper sanft geklopft, um Blockaden zu lösen. Ich habe mich einmal mit ihr zu einem Gespräch getroffen.

Frau Knitsch, wie viele Erwachsene leiden in Deutschland an Herbst- und Winterdepressionen?
Inzwischen erwischt es hierzulande etwa jeden fünften Menschen. Und wahrscheinlich ist die Dunkelziffer sogar noch höher.

Das ist viel. Wer ist häufiger betroffen: Männer oder Frauen?
Frauen erkranken generell häufiger an Depressionen. Jede vierte Frau in Deutschland leidet an Herbst- und Winterdepressionen. Bei den Männern ist es nur etwa jeder fünfte.

Matt, müde, traurig und krank: Welche Symptome gibt es noch?
Da ist zum Beispiel die Energielosigkeit: Man kommt einfach nicht in die Gänge. Außerdem hat man mitunter ein deutlich größeres Verlangen nach Kohlenhydraten und Süßigkeiten. Auch Schlafstörungen sind nicht selten, woraus dann wiederum Konzentrationsschwierigkeiten resultieren können. Weil wir oft nicht verstehen, was da gerade mit unserem Körper passiert, fängt das Gedankenkarussell an, sich zu drehen, wir fragen uns: Was ist nur mit mir, wie werde ich das wieder los?

In der Psychologie spricht man auch von einer „saisonal abhängigen Depression“ (SAD). Warum das?
Die sogenannte SAD beginnt in der Herbstzeit um die Monate Oktober und November, hat ihren Höhepunkt im Januar/Februar und endet etwa im März. Daher saisonal, also jahreszeitenabhängig.

Das leuchtet ein. Und was genau passiert nun in dieser dunklen Zeit mit unserem Körper?
Werfen wir doch mal einen Blick auf die Natur: Sie folgt ihrem ganz eigenen Rhythmus. Im Frühjahr erwacht sie, alles beginnt wieder zu leben. Alles richtet seine Energie nach außen, fängt wieder an zu wachsen. Im Sommer erreicht das Wachstum seinen Höhepunkt, und im Spätsommer ist dann der Wendepunkt da: Es ist die Zeit der Reife und der Ernte. Der Herbst beginnt, die Natur zieht sich wieder zurück. Sie lenkt ihre Energie jetzt von außen nach innen. Der Winter ist die Zeit der Erholung und der größten Ruhe. Die Natur schöpft dann die nötige Kraft, um im Frühjahr erneut mit ihrem Kreislauf zu beginnen. Wir Menschen sind ebenso Teil der Natur – auch wenn wir ganz andere Ziele verfolgen. Unser Körper richtet sich nach eben diesem Rhythmus. Da im Herbst die Sonnenstunden weniger werden, produziert der Körper weniger Vitamin D. Durch die vermehrte Dunkelheit wird außerdem vermehrt Melatonin freigesetzt – das Hormon, das im Gehirn den Tag-und-Nacht-Rhythmus steuert. Müdigkeit und Schlafstörungen können die Folge sein.

Aha – und ist das triste Gefühl vorübergehend?
Das empfindet jeder anders. Meistens ist es aber zu Beginn des Frühlings wieder verflogen. Triste Gefühle muss man auch nicht immer gleich bekämpfen: Sie sind die Stimme unserer Seele, die da zu uns spricht. Wir sollten auf sie achten und genauer hinhören. Das ist sogar eine ganz gute Möglichkeit, sich selbst bewusster wahrzunehmen.

Wie kann man einer Depression vorbeugen? Was kann man tun, wenn es einen schon erwischt hat?
Vorbeugen kann man vor allem mit der richtigen Einstellung und einer positiven Sichtweise auf den Herbst. Man könnte ganz bewusst die schönen Seiten der Jahreszeit suchen: das farbige Laub, die noch wärmende Sonne – verbunden mit klarer Luft. Und die Vögel wahrnehmen, die Richtung Süden fliegen. Die Pflanzen und Tiere akzeptieren ja diesen natürlichen Kreislauf auch. Keiner von uns erwartet von Laubbäumen, dass sie auch im Herbst und Winter satte, grüne Blätter tragen. Ist die Depression schon da, rate ich zu Bewegung an der frischen Luft und zu einer vitaminreichen Ernährung. Man könnte sein Zuhause mit warmen Farben einrichten, zum Beispiel Orange. Musik darf natürlich auch nicht fehlen. Vor allem sollten das Klänge sein, die Lebensfreude vermitteln oder gute Laune machen. Auch wenn uns gerade nicht danach ist: einfach machen! Sollte das alles nicht ausreichen, rate ich zu einem Energietraining. Durch „Beklopfen“ bestimmter Energiepunkte können die natürlichen Selbstheilungskräfte aktiviert werden – Hilfe zur Selbsthilfe also. Das kann man sogar morgens im Bett machen – für einen energievolleren Start in den Tag.

Das klingt gut. Und was kann man tun, wenn all das nicht weiterhilft? Sollte man sich dann professionelle Hilfe suchen?
Ja, unbedingt. Auf jeden Fall sollte man sich fachkundigen Rat einholen – ob nun beim Arzt oder Heilpraktiker. Wichtig ist eine individuelle Beratung, denn jeder Mensch ist anders.

Danke für das Gespräch, Frau Knitsch. Können Sie uns noch ein paar schöne Gedanken mit auf den Weg geben?
Gern! Folgende Idee: Geben Sie doch Ihrem Kopf jeden Tag einen besonderen „Auftrag“ – gleich am Morgen. Der könnte zum Beispiel lauten: Ich mache mir klar, was heute alles gut läuft, was ich besonders gut kann, wie vielen lieben Menschen ich heute begegnet bin und so weiter. Beginnen Sie jeden Tag mit einem kindlichen Gefühl der Vorfreude! Wir alle können ganz bewusst mehr für unsere Gesundheit tun. Sie liegt in unseren Händen und in unserer eigenen Verantwortung. Wir haben gelernt, uns gut um andere zu kümmern. Jetzt sollten wir das auch einmal mit uns selbst versuchen.

<< Mehr zum Thema gibts auf den Seiten von Diane Knitsch und auf Facebook

Diane Knitsch beklopt ihre Schläfe.

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9 geistreiche Anmerkungen
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  1. Das Freiklopfen kenne ich auch, gibt es als Buch zu kaufen….”Klopfe dich frei”…hilft, aber nicht immer.

    Liebe Grüße zu dir.

    Marianne ♥







  2. O ja, von der saisonalen Depression kann ich dir nicht nur ein Liedchen, nein, ganze Arien pfeifen, und es hat lange gedauert, bis ich diese Zustände als solche akzeptiert habe. Immer wieder meinte ich die Abgeschlagenheit, die Antriebsarmut und Traurigkeit einem echten Leiden zuordnen zu müssen, denn ich litt und leide wirklich im Herbst und im Frühjahr, aber im Laufe der Jahre habe ich gelernt: “So ist das eben” und lebe vor allem die Traurigkeit aus und halte innere Einkehr. Ich liebe den Herbst und freue mich auf’s Frühjahr und nehme die Traurigkeit als dazugehörend an. Vielleicht bin ich dadurch in dieser Zeit für meine Mitmenschen eine Belastung, aber das müssen sie dann eben auch mal aushalten, irgendwann bin ich dann ja wieder nicht mehr “still”. :-)







  3. Am allerbesten ist es, rauszugehen. Draußen ist es meistens viel schöner, angenehmer und heller, als es von drinnen aussieht.







  4. Liebe Marianne,

    danke für den Tipp!
    Das heißt, Du hast mit dieser Technik bereits Erfahrungen gemacht?
    Darf ich fragen welcher Art?

    Herzliche Grüße,
    Coralita







  5. Liebe Heike,

    Du sagst es. Ich stelle das immer und immer wieder fest. Und genau aus diesem Grund werde ich, auch wenn ich eigentlich gar keine Lust dazu habe, heute wieder joggen gehen. ;-)

    Herzliche Grüße,
    Coralita







  6. Hallo Marana,

    wow. Das hast Du schön geschrieben. Und ich denke, das ist eine ganz tolle Strategie, damit umzugehen. Es gibt eben Phasen, in denen wir uns “anders”, melancholischer und trauriger fühlen als in anderen. (Bei unserem “monatlichen Leiden” ist das ja übrigens nicht anders: Wir akzeptieren es als Teil von uns – als etwas, das nur uns gehört und das uns zusteht. :-))

    Herzliche Grüße – und eine Umarmung!
    Coralita







  7. Hallo Marianne,

    ja, es gibt bereits viele Bücher über das Klopfen.
    Die Erfahrung, dass es zunächst nicht wirkt, trifft bei einigen tatsächlich zu. In der Energetischen Psychologie hat man herausgefunden, dass es sich dabei um so genannte Energie-Umkehrungen handelt. Nehmen wir einmal an, wir tragen ein Problem mit uns herum, z.B. das Gefühl der Traurigkeit. Jetzt fangen wir nach Anleitung im Buch an zu klopfen. Und schon fließt unsere Energie durch die Meridiane hin zur Traurigkeit. Kurz bevor die Energie dann Ihr Ziel erreicht, dreht sie um und fließt in die andere Richtung. Somit kann sich das Gefühl der Traurigkeit nicht verändern.

    Das Klopfen wirkt nicht? Ja und nein.
    Wenn wir es mit einer dieser Umkehrung zu tun haben, müssen erst diese beklopft werden. Mögliche Auslöser dieser Umkehrungen sind innere Einstellungen und Überzeugungen. Vielleicht haben wir ja mal gelernt, dass wir nur dann angenommen werden, wenn wir gesund und fit sind. Aber nicht, wenn wir traurig, wütend oder ängstlich sind. Um das zu lösen – hier ein Tipp: Die Handkante klopfen und dabei drei Mal wiederholen: Auch wenn ich traurig bin und vielleicht meine Familie damit belastet, akzeptiere ich mich voll und ganz. Und dann weiter klopfen wie in den Büchern beschrieben.

    Übrigens: Solche Sätze wirken oft unlogisch. Oft weiß unser gesunder Menschenverstand, dass wir ok sind, auch wenn wir traurig sind. Nur unser Inneres ist oft nicht davon überzeugt.

    Herzliche Grüße,
    Diane







  8. Hola!

    Ich klopfe hin-u.wieder Schnitzelfleisch platt.
    (Im Dreivierteltakt. ;-D

    Warum nur sind besonders Frauen so empfänglich
    für Esoterik-HokusPokus? Liegt es daran, dass eher Imagination
    statt Ratio das Bewußtsein bestimmt?
    Fragen über Fragen…
    (Ein bisserl Kritikwürze darf es doch sein..;-)

    Gruß aus der guten Stube!







  9. Wie Frau Knitsch so schön ausführt, sind der Herbst und Winter die Jahreszeiten, in denen der Körper zur Ruhe kommt, in eine Art “Winterschlaf” fällt, sozusagen. Was ist also falsch daran, alles etwas langsamer angehen zu lassen, etwas lustloser und bequemer zu sein und sogar ein bisschen den sogenannten Herbstblues zu haben? Warum muss man das ganze Jahr über in Hochform sein? Immer agil, fit, gut drauf, motiviert und umtriebig?
    LG von Rosie







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