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Mit dem zweiten sieht man … anders.

Das erste Mal schwanger, das erste Mal ein Kind großziehen. Eine der aufregendsten Erfahrungen überhaupt. Klar, dass man sich da so richtig ins Zeug legt und sich möglichst vorbildlich verhalten möchte. Doch wie sieht das beim zweiten Kind aus? Zehn Dinge, die wirklich „anders“ sind.

1. Schwangerschaft

Als ich mit unserem ersten Kind schwanger war, führte ich einen Babyblog. Der Babybauch wurde geölt und bekuschelt, wir hörten klassische Musik und schliefen viel. Es war eine entspannte Schwangerschaft.

Mit Baby Nummer zwei war alles anders: Weil ich bereits einen Alltag mit Kleinkind zu bewältigen hatte, blieb wenig Zeit, mich mit dem heranwachsenden Kind in meinem Bauch zu beschäftigen.

2. Nestbautrieb

Was kaufte, hortete und hübschte ich auf, als unser erstes Baby unterwegs war! Es kamen uns Babybettchen, Kinderwagen, Laufstall und zur Sicherheit noch Fläschchen ins Haus. Alles Dinge, die man im Grunde gar nicht benötigt. Aber das sollte ich natürlich erst später in der Praxis erfahren …

All die Anschaffungen blieben bei Kind Nummer zwei aus. Lediglich eine Tragehilfe schaffte ich an – und die war Gold wert.

3. Geburt

Gegen Ende der ersten Schwangerschaft ging es mir richtig gut, ich wusste ja nicht, was mich erwartete. Natürlich hatte ich einen Vorbereitungskurs besucht, hatte gehechelt und gepresst, aber die Realität sah natürlich anders aus …

Vor der Niederkunft mit unserem zweiten Sohn hingegen hatte ich Angst. Ich konnte mich zwar nicht mehr an den Wehenschmerz erinnern, doch wohl daran, dass eine Grenzerfahrung für mich war.

4. Stillen

Bei diesem Thema scheiden sich bekanntermaßen die Geister … Für mich war klar: Ich möchte stillen … Aber was habe ich mich beim ersten Kind gestresst. Was habe ich mich deshalb verrückt gemacht, meine Kompetenzen als Mutter infrage gestellt, wenn es nicht so klappte!

Bei Baby Nummer zwei war ich mir sicher: Ich möchte wieder stillen, aber diesmal bitte stressfreier. Zum Glück ging diese Rechnung auf (vielleicht aber nur deshalb, weil ich eben entspannter war).

5. Co-Sleeping

Unser erster Sohn wurde gerade erst geboren, da schallte es schon aus allen Ecken und Enden: „Schläft er schon im eigenen Zimmer?“ Äh … „Also, in einem Schlafsack im eigenen Babybettchen ist ja am sichersten. Plötzlicher Kindstot und so.“ Ähm … „Du kannst ihm sanft antrainieren, dass er allein schläft …“ Nein, nein und nochmals nein.

Wir haben sie natürlich ausprobiert, die Sache mit dem Babybett. Als der Kleine weinte, haben wir ihn instinktiv sofort wieder zu uns genommen – die richtige Entscheidung. Wer schläft schon gern allein? Beim zweiten Sohn handelten wir sofort, wie der Bauch uns riet: Ab ins Familienbett mit Groß und Klein! (Quizfrage: Hatten Steinzeitbabys eigene Bettchen oder kuschelten sich alle Familienmitglieder eng aneinander?)

6. Zubettbringen

„Irgendwann muss er aber lernen, allein in seinem Bett einzuschlafen.“ Ich korrigiere: Irgendwann wird er es von ganz allein wollen. Und der andere auch. Einen Unterschied gab und gibt es bei unseren Jungs aber doch: Der „Große“ wurde ab dem Alter von zweieinhalb Jahren in seinem Bett in den Schlaf begleitet – um nachts zu uns Eltern zu kommen. (Er hatte für später ein schickes, rotes Autobett von den Großeltern bekommen, da wollte er unbedingt rein!).

Baby Nummer zwei muss gar nicht erst wandern: Er schläft da, wo er seine geforderte Elternnähe bekommt. Solange er das möchte – und natürlich wir Eltern.

7. Babyschwimmen

Ich erinnere mich noch genau, wie wir mit Baby P. vor über sechseinhalb Jahren motiviert zum Babyschwimmen gingen. Es war eine kleine Runde von fünf Babys mit ihren Eltern. Angenehm war das, aber hinterher waren wir alle ziemlich erschöpft. Alles in allem war es eine Erfahrung, die man machen kann, aber irgendwie nicht muss …

Als Baby K. geboren wurde, nahmen wir uns vor: Wir gehen wieder zusammen baden, diesmal zu viert. Doch der zweite Knirps hasste das Babyschwimmen, er fing nach einigen Minuten regelrecht das Schreien an. Nach drei Wochen gaben es wir es trotz bereits vollständig bezahltem Kurs auf – und es war gut so für uns alle vier.

8. Süßigkeiten müssen doch nicht sein?

So in etwa hielt ich es mit Nummer eins, und es war recht einfach: P. hatte noch keine Geschwister, er kannte einfach noch keine „klassischen“ Süßigkeiten. Er begnügte sich mit Rosinen, selbstgemixten Smoothies und mit zerkleinerten Datteln gesüßten Keksen. Im Kindergarten kam mein Sohn dann auf den Geschmack und fragte explizit nach Süßigkeiten wie Schokolade, Kaubonbons oder Gummibärchen. Das war dann auch in Ordnung für uns Eltern. In Maßen, natürlich, auch das funktionierte ganz gut.

Als Kind Numero zwo etwa zehn Monate alt war und seinen älteren Bruder Süßigkeiten naschen sah, wollte er natürlich auch. Die Schokolade war sein.

9. Rituale und Regeln

„Kindern muss man Grenzen setzen, sie brauchen Rituale.“ Wie oft habe ich diese Worte von älteren Familienmitgliedern gehört. Ganz wichtig finde ich für unsere gesamte Familie das Vorlesen vor dem Schlafengehen. Eine gewisse Reihenfolge im Alltagsablauf lassen sich mit einem ersten Kind wunderbar umsetzen.

Kommt ein zweites ins Spiel, funktioniert einiges einfach nicht mehr so oder eben ungeordneter.

10. Fernsehen

Zu viel vor der Glotze oder dem Tablet hängen ist schädlich? Ja, dachten wir als junge Erstlingseltern. Und achteten darauf, dass unser Sohn möglichst wenig fernsieht.

Beim zweiten Jungen lief es natürlich ganz anders: Er sah bereits im zarten Alter von einem Jahr mit. Und wir Eltern? Entspannen zunehmend, erinnern uns, wie es zu unserer Zeit war: nämlich gar nicht anders.

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„Süßes oder Saures“: trotz Corona an Halloween um die Häuser ziehen?


Es sind harte Zeiten für uns alle: Corona wütet, die Infektionszahlen steigen wieder. Wir Eltern sind angespannt – den Gedanken an den zweiten Lockdown inklusive Home-Office, Home-Kindergardening und Home-Schooling immer im Hinterkopf. Deshalb ist es mir vor allem jetzt wichtig, es uns zu Hause „hyggelig“ (Dänisch für „gemütlich“) zu machen, wo es nur geht – und trotzdem mit den Kindern an dem teilhaben zu können, was die Jahreszeiten zu bieten haben: Im Herbst gehört das Süßigkeiten-Erhaschen an Halloween einfach dazu. Normalerweise gehen Eltern mit ihren Kindern (oder größere Kids allein) von Haustür zu Haustür und fordern gruselig verkleidet Schokolade, Gummibärchen und Bonbons ein. Am letzten Oktobertag dieses Jahres wird das ja nun etwas anders ablaufen als in den Vorjahren. Wie kann das aussehen – und trotzdem schön werden? Darüber habe ich mir hier ein paar Gedanken gemacht.

Eigentlich ist es ja so: Wir ziehen zusammen los, ohne groß nachzudenken. Hauptsache laut, schaurig und spaßig. Die Kinder verabreden sich mit anderen Kids, verkleiden sich als Gespenster, Monster oder Riesenkürbisse und marschieren gemeinsam und fröhlich plappernd in freudiger Erwartung der zahllosen Süßigkeiten und eventuellen Streiche los – mit orangefarbenen Eimern in der Hand und uns Eltern als dezente Gefolgschaft im Hintergrund … Hach, was war das schön und sorglos damals …
In diesem Jahr wird unser Halloween-Spaziergang am 31. Oktober wohl wegen des Virus‘ etwas anders ablaufen als sonst – mit Mindestabstand und Mund-Nasen-Schutz (den immerhin in Form einer schaurigen Skelettmaske). Und dann?

Süßes oder Saures“ einmal anders

Wir sind eine vierköpfige Familie und leben am Rande einer niedersächsischen Großstadt. Es ist schön grün, ländlich, gute Bauernluft schwebt dann und wann heran. Mehrfamilienhäuser gibt es hier nicht viele. Darüber, dass wir uns also nicht in engen Treppenhäusern an andere Menschen drängen müssen, bin ich jetzt besonders dankbar.

Was wird wohl noch anders werden? Es wird eher kaum bis gar keinen persönlichen Kontakt zu den „Süßkramspendern“ geben: Viele Menschen werden (so auch wir) mehr dekorieren, es sich daheim hübsch und gemütlich (Entschuldigung, ich meine: gruuuselig!) einrichten. Die meisten Leute werden ihre Süßigkeiten vor der Tür abstellen und gar nicht erst öffnen. Und das ist ja auch vernünftig und zur Zeit eben für alle das Beste. Dennoch frage ich mich, wo da eigentlich der Spaß bleibt, wenn die Kids die Nachbarn nicht mit Phrasen wie „Süßes oder Saures“ oder „Gebt uns schnell was Süßes her, sonst werfen wir mit Klopapier!“ bombardieren können … ?


„Gebt uns schnell Ideen her, sonst bleibt das Beutelchen noch leer?“

Beim Schreiben kommt mir gerade folgende Idee: Ich werde unsere alte Babyrutsche vor die Tür stellen! Bahnhof? Aufklärung folgt: Klingeln dann Kinder bei uns, werden wir sie bitten, ihre Eimer oder Beutel direkt an beziehungsweise unter die Rutschfläche zu halten, um dann – tadaa! – den leckeren Süßkram direkt hineingleiten zu lassen. Das ist doch eine gute Möglichkeit, um kontaktlos und dennoch persönlich zu handeln oder? Oder diese hier: Befindet sich euer Hauseingang über einer Treppe, könntet ihr einen simplen Seilzugmechanismus einrichten, an dem die Kids ihre Behälter einhaken/festbinden können – und ihr legt dann etwas hinein (dass es bitte nur originalverpackte Süßigkeiten sein sollten, sollte natürlich klar sein … ). Wie zu Ostern könntet ihr die Süßigkeiten verstecken und an der Haustür einen Hinweis darauf geben. Oder ihr macht ein lustiges Wurfspiel daraus … Oder oder oder: Kreative Möglichkeiten gibt es da zum Glück viele.

Meine Kinder werde ich jedenfalls vor dem Loslaufen an Halloween auf alle Eventualitäten vorbereiten. Spaß haben werden wir trotzdem – egal, wie es kommt …

Und wenn jetzt schon nicht von Tür zu Tür oder Hand zu Hand, dann auf jeden Fall von Browser zu Augen: Euch allen ein wunderbares, liebevolles und schaurig-schönes Halloween!

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Schritt für Schritt ins Leben …

„Mama, wann darf ich denn nun endlich mal allein zur Schule?“ P. sieht mich erwartungsvoll an, er stellt diese Frage nicht zum ersten Mal. Meine Antwort (leider auch nicht zum ersten Mal): „Nach dem Sommer sehen wir weiter. Okay, Schatz?“ Hoffentlich komme ich noch einmal damit durch … Mein fast Siebenjähriger runzelt die Stirn und schüttelt energisch den Kopf. „Nein, ich will den Schulweg heute üben.“ Mist. Heute gleich? Dann wird es jetzt also wirklich ernst.

Es ist Montag, es sind Ferien, wir verreisen erst in ein paar Tagen und haben nichts weiter vor. Der fast vierjährige Bruder K. springt wie ein Flummi auf und ab. „Jaaa, ich fahr‘ mit dem Laufrad!“ Na gut: Nicht lange fackeln. Einfach machen. Kurzerhand öffne ich die Garage und lasse den erfreuten P. seinen – bepackten – Ranzen aufhuckeln. „Hihi, da wundern sich die Leute bestimmt, weil doch keine Schule ist.“ Genau. Aber: Wenn schon, denn schon.

Üben heißt das Zauberwort

Bevor wir losgehen sprechen wir noch einmal über den gesamten Weg, den wir schon seit einem ganzen Schuljahr kennen. Und wichtige Fragen: „Was passiert, wenn dich ein Fremder anspricht? Und wenn er sagt, er hat zu Hause süße Hundebabys, du sollst mal mitkommen?“ Mein ältester Sohn grinst. „Na, dann gehe ich mit!“ Der Schalk blitzt ihm aus den braungrünen Kulleraugen. Und als er mein entsetztes Gesicht sieht, muss er lachen: „Ich gehe natürlich nicht mit, Mama.“ Ich sage: Damit macht man besser keine Scherze (mich schaudert es …). „Und was machst du, wenn die Fußgängerampel ausfällt?“ (Das ist sie bisher nicht, aber man weiß ja nie …) P. überlegt kurz. „Dann schaue ich gaaanz genau nach links und rechts und dann wieder nach links.“ Prima. Guter Junge.

Jetzt geht es los!

Wir wohnen in einer Spielstraße, das ist gut. „Aber auch hier muss man immer genau auf den Verkehr achten, schon beim Verlassen unserer Auffahrt“, mahne ich. Mein Sohn. K. indessen fährt schon mal kreuz und quer auf der Fahrbahn … Ich bedeute ihm, an meiner Seite zu bleiben.

Es geht los. P. marschiert mit seinem orangeleuchtenden Schulranzen voran. K. und ich laufen beziehungsweise fahren etwa vierzig oder fünfzig Meter hinter ihm. P. macht das gut, geht sicher auf der linken Seite.

Jetzt kommen wir zur relativ stark befahrenen Querstraße, einer Vorfahrtsstraße. P. schaut, biegt links in den Fußgängerweg, hält sich dort gut und sicher, die Radfahrer kommen gut an ihm vorbei. Mein Fratz dreht sich wenige Male um und winkt. Ich winke zurück. K. winkt ebenfalls und kreischt: „Halloooo!“

Einige Meter weiter folgt die nächste Querstraße. P. weiß, dass er „Vorfahrt“ hat, schaut dennoch nach links. Ein sich annäherndes Auto aus dieser Straße hält, P. überquert. Alles paletti.

Fünf Meter weiter: die Fußgängerampel: Mein Schulkind berührt die Ampelarmatur. Als das Signal von Rot auf Grün umschaltet, guckt P. rasch nach links und rechts und wieder links und geht. Ich bin so stolz auf ihn. Der schwierigste Teil der Strecke ist geschafft.

Fast da…

Jetzt geht es nur noch durch unseren tollen Park mit Rad- und Fußgängerweg, vorbei an einem großen See (zum Glück kann P. schwimmen), einem Kletterspielplatz (Gott sei Dank ist er sportlich) und einer Oberschule (und er kann Taekwondo!).

P. macht das wirklich prima, läuft gut am Rand. Ein paarmal möchte K. zu ihm fahren, ich erkläre immer wieder geduldig, warum das jetzt nicht sein soll.

Letzte Etappe vor dem Schultor: der Zebrastreifen. Am Morgen stehen hier Lotsen, die den Kindern helfen. Jetzt ist niemand da. P. schaut, geht, er ist angekommen. Er blickt sich nach uns um und strahlt. „Mama, geschafft!“

Als ich bei ihm ankomme, lobe ich ihn überschwänglich und sage, dass wir das jetzt noch ein paarmal üben. Und dass er dann allein zur Schule gehen darf. P. steht der Stolz ins Gesicht geschrieben. „Jaaa!“ Und ich denke: Er geht Schritt für Schritt in die Welt hinaus … aber erst einmal allein zur Schule. Mein Kind wird groß.

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Mut ist ansteckend

Als mein inzwischen fast siebenjähriger Sohn damals mit fünfeinhalb sein Seepferdchen-Abzeichen im Schwimmen machte, war das „ein Abenteuer“ für alle Beteiligten … Eine kleine Anekdote über das Mutigwerden.

Ein Intensivkurs im Schwimmen – nur wenige Wochen lang, fünfzehn Einheiten und danach der Abschluss: das Seepferdchen-Abzeichen. „Na, ich weiß ja nicht, ob das so gut ist.“, sage ich, als mein Mann mit diesem Vorschlag für unseren Sohn kommt. Ich bin ehrlich gesagt wenig angetan. Unser Fünfeinhalbjähriger ist ein eher zurückhaltender Junge, der sich in fremden Gruppen zunächst unwohl fühlt. Außerdem hat er noch nie einen Kurs allein besucht. Wir lassen ihn trotzdem auf die entsprechende Warteliste setzen. Es kann ja noch dauern, bis P. an der Reihe ist …

Als dann spontan ein Platz frei wird, fragen wir unseren Jungen erst einmal und sind etwas überrascht, als er sagt: „Jaaa, das will ich versuchen!“ Hm. Die lieben Kleinen, immer wieder für eine Überraschung gut. Eigentlich hätten wir es uns aber denken müssen: Das Wasser ist einfach sein Element, das war es schon immer, bereits beim Babyschwimmen …

Eins, zwei, drei … geschafft!

Woche eins, erster Tag: Zusammen mit einigen anderen Eltern schaue ich mit P.s kleinem Bruder K. den Wasserratten durch die Glasscheibe im Wartebereich beim Training zu: Süß sehen die Kinder aus, wie sie da am Beckenrand einige Trockenübungen zusammen durchführen und im kühlen Nass plantschen. P. springt vom Beckenrand! Juhuuu, damit ist doch die erste der insgesamt drei Forderungen zum Bestehen der Prüfung bereits erfüllt. Ich brüste mich unmerklich.

Woche zwei, dritter Tag: Wir können leider von hier aus nicht so viel erkennen, aber es sieht am Ende der Stunde schon recht gut aus, was die Kids da machen. Sogar diejenigen, die anfangs noch Schwimmflügel tragen wollten oder vielleicht sollten, nutzen jetzt schon keine mehr. Wie die jungen Hunde sehen sie aus mit ihren nur knapp aus dem Wasser herausragenden Köpfchen …

Da! P. taucht und holt den Ring heraus! Teil zwei der Prüfung ist geschafft.

Woche drei: Der Kurs neigt sich langsam dem Ende zu: P. ist die geforderten fünfundzwanzig Meter bisher noch nicht geschwommen, das erwarte ich auch gar nicht. Er soll ja auch erst mal rein finden.

Vorletzter Tag: „Mama, weißt Du was?“, fragt mich P. vor dem Kurs. Mhmhm? „Ich möchte so gerne mal vom Dreier springen.“ Was? Meint er damit den Drei-Meter-Turm? Ja, meint er. Ich erkläre ihm, dass er das eigentlich erst darf, wenn er Schwimmer ist, also sein Abzeichen hat. Aber wenn er möchte, kann er ja mal seinen Lehrer fragen …

Stattdessen schwimmt er heute zum ersten Mal lässig seine fünfundzwanzig Meter. Wahnsinn. Wie cool ist der denn, so kurz vor dem Kursende! Ich lache laut (und die anderen Eltern gucken mich verwundert an.) Damit hat er doch sein Abzeichen schon heute so gut wie in der Tasche! Yeah, ich freue mich so für ihn und lasse K. Auf meinem Schoß herumhopsen.

Hüpf, hüpf, hüpf … Sprung!

Nach der letzten Einheit bereite ich mich entspannt darauf vor, dass P. gleich duschen und dann aus der Umkleide kommen wird …

Doch halt, was ist das? Der Schwimmlehrer entfernt das Absperrgitter an der Leiter zum Drei-Meter-Turm. Was … Er winkt P. zu sich heran. Ich sehe, wie der Erwachsene das Kind etwas fragt und wie das Kind heftig nickt. Ich stehe auf und gehe dicht an die Scheibe heran …

P. steigt die Leiter hinauf. Ich kann es nicht fassen. Langsam – aber entschlossen – gehen seine Beinchen auf das Ende des Sprungbrettes zu. Er wird doch nicht … P. hüpft gaaanz zaghaft auf und ab, er lächelt und schaut zum Schwimmlehrer. Der nickt ihm ermutigend zu.

Und dann springt mein Sohn. Platsch! Taucht wieder auf, schwimmt gemächlich zum Beckenrand, steigt aus dem Wasser und rennt zu seinem Lehrer, der ihm anerkennend auf die Schulter klopft. Toll gemacht!

So schnell, wie das Ganze passiert ist, ist es jetzt auch schon wieder vorbei.

Was mich aber besonders berührt: Fast alle anderen Kinder aus dem Kurs folgen P.s Tun. Zunächst zögerlich, aber sie wollen es anscheinend ebenfalls wissen … Platsch, platsch, platsch … Es ist ein wunderbares Bild. Alle sind total aufgedreht und hüpfen lachend auf der Stelle.

P. rennt aus der Umkleide auf mich zu – das Abzeichen und die Urkunde in den Händen. „Mama, hast Du das gesehen? Wie ich gesprungen bin?“ Ich nicke, stolz lächelnd. „Ja“, erwidere ich. „Und Dein Mut hat die anderen richtig angesteckt!“ Jetzt lächelt P. Und ist sooo stolz.

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Musik macht müde Muffel munter

„Mama, ich will singen.“ Mein Dreieinhalbjähriger hopst an mir hoch und runter wie ein Gummiball. Ich selbst versuche gerade, die Wäsche zusammenzulegen. Danach wollte ich eigentlich staubsaugen, dann den Biomüll rausbringen und den Geschirrspüler ausräumen … Oben wartet noch das Badezimmer darauf, geputzt zu werden … Die Weihnachtsfeiertage liegen zurück, es gibt noch so viel zu tun.
Ich seufze, atme tiiief durch, um mich selbst zu entschleunigen. „In Ordnung. Aber nur ein paar Minuten.“ Unweigerlich muss ich lächeln. Ja, Singen ist jetzt eine wirklich willkommene Abwechslung auch für mich. Der Rest kann warten.

„Ich kann jetzt nicht singen, weil ich zu müde bin …“

Im Wohnzimmer steht das Klavier; ich klappe den Deckel hoch, lege ein Kinderliederbuch auf die Notenablage und frage den kleinsten Wirbelwind, was er denn gerne singen möchte. „In einem kleinen Apfel!“ K. krabbelt aufgeregt auf meinen Schoß, zappelt mit den Beinchen.

Der Sechseinhalbjährige ist platt vom Vormittag. „Mama“, antwortet er auf meine Frage, ob er denn mitmachen möchte, „Schule ist ganz schön anstrengend, ich kann jetzt nicht singen, weil ich zu müde bin …“ Ich nicke verständnisvoll, kann mich noch gut daran erinnern, wie erschöpft ich selbst seinerzeit war. P. fläzt sich also auf den Bauteppich, halb liegt er. „Ich bau‘ jetzt Oroboros.“
Jungsmütter wissen jetzt sicherlich sofort Bescheid: Er meint die Schlangenstadt aus seinem innig geliebten „Ninjago“-Film (Ninjas kämpfen für Gerechtigkeit). P.s Beißvipern, Würgeboas und Hypnokobras liegen schon zum Spiel bereit, sein selbstgebauter Wüstensegler ist startklar. Mein Erstklässler ist vertieft, summt aber mit.

Irgendwann steht P. dann doch auf, möchte mitsingen. Gemeinsam trällern wir Weihnachtslieder – ja, immer noch, weil wir gerade Lust darauf haben: ‚Schneeflöckchen, Weißröckchen‘, ‚Lasst uns froh und munter sein‘, ‚Alle Jahre wieder‘, … so geht es etwa eine halbe Stunde querbeet durchs Notenbuch.

„Mama, kriegen wir Kekse?“ Jawoll. Ich stehe auf und stelle übrig gebliebenen Gewürzspekulatius, Mandeln und stilles Wasser für die Kids sowie einen Kräutertee für mich aufs Klavier.

P. wünscht sich jetzt „It’s A Small World‘ – Disney. Herrlich – ein wunderschönes, harmonisches Stück, das gute Laune auf unsere Gesichter und in unsere Herzen zaubert.

Wir singen: Laut und nicht immer wohlklingend.

Wir hauen also in die Tasten und lassen unsere Stimmbänder schwingen, alle drei. Laut und nicht immer wohlklingend. Darauf kommt es uns jetzt gerade auch gar nicht an: Es tut einfach nur gut. Warum eigentlich? Der Wissenschaftler würde jetzt sagen: weil beim Musizieren beide Gehirnhälften zusammenarbeiten und jede Menge Endorphine – also Glückshormone – freigesetzt werden. Ja, das merkt man. Durch das Musizieren soll außerdem vor allem bei Kids das (zusammenhängende) Denken und die Konzentrationsfähigkeit trainiert werden.

Schon vor unglaublichen 35.000 Jahren stellte der Mensch Musikinstrumente aus beispielsweise Röhrenknochen her – ein Beweis, dass Musik uralt ist; immerhin gibt es sie in allen Kulturen und Völkern. Als Teil einer Gemeinschaft liegt uns das Musizieren förmlich im Blut.
Aber ob Musik jetzt wirklich schlauer macht? Keine Ahnung, wirklich erwiesen ist es nämlich bis heute nicht. Egal: Spaß macht sie uns allemal.

„Mama, ich bin nicht mehr müde!“ Der Sechsjährige hüpft vergnügt auf dem Sofa herum.
Aha, da haben wir es: Manchmal macht Musik auch munter.

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