„Dahinter steckt mehr, als man denkt“

Museen in Quakenbrück, Berge und Bersenbrück stellten am Internationalen Museumstag ihre Arbeit vor

Quakenbrück/Berge/Bersenbrück. „Ich gehöre bald schon zum Inventar“, lacht Johanne Treu. Die fast 90 Jahre alte Rentnerin ist ehrenamtliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum Quakenbrück. Man merkt der agilen Frau mit den wachen Augen ihr Alter überhaupt nicht an.

Kein Wunder, denn Johanne Treu ist ständig auf den Beinen: „Es gibt hier immer etwas zu tun“, sagt sie und lächelt. „Wir brauchen auch noch viel mehr Mitarbeiter.“ Und dann schaut sie ein bisschen traurig. „Schade, dass heute nur noch so wenig Menschen ins Museum gehen, es gibt doch so viel zu sehen.“

Am Sonntag war das anders: Anlässlich des Internationalen Museumstages 2011 waren etliche Besucher in den Museen des Landkreises Osnabrück unterwegs. Drei Einrichtungen gewährten in enger Zusammenarbeit Einblicke in ihr tägliches Schaffen und ermunterten Besucher, ihre Schätze zu erkunden: das Stadtmuseum Quakenbrück, das Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück und das Museum Meyer-Haus in Berge. Im Rahmen des seit Anfang 2010 bestehenden Projekts „Sammlungen der Museen im Landkreis Osnabrück Digitalisierung – Qualifizierung – Profilierung“ konnten Besucher einen Tag lang Museumsarbeiter spielen und erfahren, was Inventarisierung bedeutet.

Schätze zu erkunden

Das Projekt wird vom Heimatbund Osnabrücker Land und dem Kreisheimatbund Bersenbrück getragen. Seit etwa einem Jahr sind zwanzig Museen dabei, ihre Objekte mithilfe eines Inventarisierungsprogramms zu digitalisieren. In Quakenbrück klärten Museumsleiter Heinrich Böning und Archivar Ernst Walter darüber auf, wie Objekte ins Museum gelangen und wie sie anschließend archiviert werden. „Zunächst werden Höhe, Durchmesser und Material ausgemessen, es wird festgestellt, was es ist“, erklärt Ernst Walter. Diese Informationen werden dann auf Datenblättern eingetragen und dann in einer Museumssoftware erfasst. „Das erleichtert uns die Arbeit ungemein.“

„Die Leute wissen meist gar nicht, wie wir im Museum arbeiten“, sagt Nikola Berding. Die Volontärin beim Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück zeigte Besuchern bei Kaffee, Kuchen und Rotwein, wie man ausgewählte Museumsgegenstände in der Objektdatenbank findet. Am Abend heizte die Band „The Watsons“ den Besuchern musikalisch ein.

Ein breites Spektrum

Museumsrundgang einmal anders – das war das Motto in Berge. Im MeyerHaus konnten Besucher ausgesuchte Museumsgegenstände mithilfe von Datenblättern im Museum wiederfinden. Etliche nahmen dieses Angebot an. „Das ist gar nicht so einfach“, seufzte ein Gast. „Da steckt viel mehr dahinter, als man sich vorher so denkt.“ Das findet auch Nikola Berding. „Heute haben wir die Gelegenheit, unser Tun zu würdigen.“ Und das ist auch das Ziel des im Jahr 1977 ins Leben gerufenen Internationalen Museumstages: auf die Themenvielfalt der Museen aufmerksam zu machen und das breite Spektrum ihrer Arbeit vorzustellen. Der Eintritt in allen drei Museen war frei.

Johanne Treu führte die Gäste im Stadtmuseum Quakenbrück herum

Erschienen im Bersenbrücker Kreisblatt am 17.05.2011

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Was zählt, sind die Vibes

Restrup. „Es kommt auf die Vibes an“, antwortet Gitarrist und Sänger Marcus Bruns auf die Frage, was der Band bei ihren Konzerten am wichtigsten sei. Es komme gar nicht so sehr darauf an, ob man stets den richtigen Ton treffe oder der Gesang zu einhundert Prozent astrein sei. Und dann grinst der sympathische Heavy-Metal-Fan und Gründer der Band mit den rotblonden Locken.
Der Theatersaal der Compagnia Buffo füllt sich – Voraussetzung für einen gelungenen Abend. Der Kulturverein Li.F.T. hat eingeladen. Schon einmal sind die Groovin‘ Goblins hier gewesen. 2003 war das, und sie hatten den Rock-in-der-Region-Vorentscheid gewonnen. Seitdem kennt und liebt man die Band hier.

Groovin‘ Goblins, die „groovenden Kobolde.“ Aber warum eigentlich Kobolde? Der Name zur Band sei in Anlehnung an ein ehemaliges Computerspiel aus den 80er-Jahren entstanden. Außerdem sei ein Großteil der Band nicht besondes hoch gewachsen, erklärt Marcus Bruns mit schelmischem Blick.

Ein paar Schläge mit den Drumsticks, dann geht es los. Womit die Kobolde da aufwarten, ist großartig: Es ist ein schwer definierbarer, aber gelungener Mix aus den musikalischen Stilrichtungen Reggae, Ska und Funk. Manchmal sogar vermischt mit Elementen aus dem Death Metal. Die Grenzen der Musikrichtungen verschwimmen. „Wir kommen alle aus unterschiedlichen Musikecken. So kam dieser Stilmix zustande“, erzählt Marcus Bruns. Alle Songs entstammen der Feder der Goblins. „Musikalische Vorbilder haben wir nicht. Wir ziehen unser eigenes Ding durch“, betont Schlagzeuger Gerrit Achilles. Die Band habe nie versucht, auf Biegen und Brechen etwas Neues zu kreieren. Marcus Bruns bestätigt das: „Versuche nie, Dir etwas auszudenken, was es noch nicht gibt. Es kommt eher darauf an, das Vorhandene zu verbessern.“
Das Motto der Goblins, die sich im Jahr 2003 gegründet haben: Erlaubt ist alles, was „uns und dem Publikum“ Spaß macht. „Wenn es bei den Leuten ankommt, kommt es bei uns doppelt an“, sagt der sympathische Schlagzeuger, der „Skater“. Warum dieser Name? Skaten ist eines seiner Hobbys, die Band seine Leidenschaft: „Mir würde ein großer Teil in meinem Leben fehlen, wäre ich nicht mehr Bandmitglied.“

Diese Leidenschaft für die Musik und die Band hört man den Jungs und dem einzigen Mädel aus dem Osnabrücker Land an: Unweigerlich muss man tanzen oder doch zumindest mit dem Kopf oder Fuß wippen. Und sie selbst tun es auch mit Freuden, die elf „groovenden Kobolde“ im Alter von 20 bis 50 Jahren. Auch auf der Bühne wird abgetanzt. Allein die Sektion aus fünf Bläsern heizt den Zuhörern mächtig ein. Keyboard, E-Gitarre, Schlagzeug und nicht zuletzt Sänger Tim Rehwinkel mischen kräftig mit und geben dem begeisterten Publikum den musikalischen Rest. Eine Frau mittleren Alters gibt sich ganz den Vibes hin. Mit geschlossenen Augen vergisst sie tanzend die Welt. Ein wirklich schönes Bild. Beim Singen schließt auch Tim Rehwinkel manchmal die Augen. Er verzieht leidenschaftlich das Gesicht, so als würde er eins werden mit den Beats. Dann öffnet er wieder die Augen und hat ein charmantes Lächeln für das Publikum übrig.

Nach dem zweistündigen Programm neigt sich der Abend nach mehreren Zugaben so langsam seinem Ende entgegen. Gern hätte man noch mehr gehört von den Groovin‘ Goblins. Wer das möchte, hat dazu am 13. Mai im Osnabrücker Glanz und Gloria die Gelegenheit.

Heizten ihrem Publikum mächtig ein: die Groovin‘ Goblins

(c) Dieser Artikel ist am 11. Mai 2011 im Bersenbrücker Kreisblatt erschienen.

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Anders essen: Tischkultur mit Augenzwinkern

Badbergen. Es ist Freitagabend, kurz nach 18.00 Uhr. Michael Schürkamp alias Butler James steht im Korridor des Artland Festsaals und erwartet sein Publikum. Er trägt weiße Handschuhe und ist auch sonst piekfein gekleidet. Gleich wird es etwas zu essen, zu lernen und zu lachen geben. So zumindest hat James es im Vorfeld des Comedy-Knigge-Dinners versprochen. Und tatsächlich: Bereits den Aperitif serviert der sympathische Künstler mit einer gehörigen Prise Humor. Nachdem der stocksteif wirkende James alle Gäste persönlich begrüßt hat, lässt er ein helles Glöckchen erklingen. „Dieser Klang wird Ihnen den Stress des Alltags nehmen“, so seine Begrüßung. Dabei schaut er den Leuten mit einem beruhigenden Blick tief in die Augen. Und es funktioniert: Eine Dame in flotter Abendkleidung lässt die Schultern etwas sinken, entspannt sich. Ein eleganter Herr lächelt. Dann vergibt der smarte Butler seinen Gästen Fantasietitel wie „Diplom-Psychologin für bindungsunfähige Paarberater“ oder „Vizegräfin mit international anerkannter Pelzmantelsammlung“. Nicht zu vergessen der Förster mit Hochsitzphobie. Wer will, kann an diesem Abend in eine andere Rolle schlüpfen, eine völlig andere Persönlichkeit sein.

Im Empfangsbereich begrüßt die Geschäftsführerin des Artland Festsaals, Cornelia Riedel, die Gäste herzlich mit einem Handschlag.
Bevor James die Gäste zu Tisch geleitet, hält er sie bei einem Glas Sekt oder Orangensaft dazu an, mit einem fremden Gesprächspartner Konversation zu betreiben. Gar nicht so einfach: Scheue Seitenblicke, verlegenes Grinsen. Doch dann trauen sich die ersten – das Eis ist schnell gebrochen.

Zwischen den vier Gängen des festlichen Menüs – darunter eine schmackhafte Karotten-Ingwersuppe und Schweinemedallions an Morchelsauce – gibt James wertvolle Tipps, wie man sich bei Tisch richtig verhält. Er lässt die etwa 40 Gäste ein Kniggequiz lösen, das es in sich hat. Man kniffelt hochkonzentriert. Und bei der Auflösung erfährt man, dass zu einem Button-Down-Hemd auf gar keinen Fall eine Krawatte getragen wird, und dass Adolf Freiherr von Knigge ursprünglich gar kein Benimmlehrer, sondern Schriftsteller war.
Doch nicht nur als niveauvoll konversierender „Pinguin“ macht Butler James eine gute Figur. Er ist auch Bauchredner und lässt stilvolle Handpuppen zu Wort kommen. So plaudert etwa der temperamentvolle Italiener Enrico über Kaffeespezialitäten, während der gewitzte Russe Igor erklärt, wie man am besten Geschäfte macht. Lachen, Staunen, Klatschen: Bei den Zuschauern kommt die Show richtig gut an.

Es sei nicht wichtig, übertrieben „manieriert“ zu sein oder zu wissen, wie man Besteck richtig benutzt, betont Michael Schürkamp, der sich selbst als „Mundwerker“ bezeichnet. Viel wichtiger sei es, im Umgang mit anderen Menschen respektvoll und höflich zu sein. Auch privat legt der studierte Comedien großen Wert auf gewisse Benimmregeln. „Ich finde nicht gut, wenn jemand einfach so seine Serviette auf den Teller knallt“, sagt Michael Schürkamp. „Und ich mag Warten nicht.“ Deshalb sei er selbst auch ein pünktlicher Mensch. Seine Devise: Mit Humor, Respekt und der Fähigkeit, auch einmal über sich selbst lachen zu können, „sind wir doch für fast alle Situationen bestens gerüstet.“ Gegen 23.00 Uhr ist der Abend vorbei – ein Ereignis oder besser: eine leidenschaftliche Hommage an ein gutes Miteinander.

Sprechen über italienische Kaffeespezialitäten: Enrico und Butler James

Butler James sorgt für Spaß und so manchen Lacher

Mein Artikel im Bersenbrücker Kreisblatt – erschienen am 10.05.2011


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Warum in die Ferne schweifen …

wenn die Ferne liegt so nah?

Auf einer kleinen Rundreise durch das Artland (meine neue Heimat) passiere ich Ägypten! Als ich den Namen auf dem Ortsschild lese, muss ich erst einmal anhalten, fotografieren und laut lachen. Als ich mich beruhigt habe, fahre ich weiter: Höfe und schmucke Häuser, mehr hat die kleine Gemeinde nicht zu bieten. Aber das ist ja auch schon allerhand! In einem Reiseführer lese ich, dass bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts Räuber hierher fanden und sich prompt niederließen. Diese nannte man – wie sollte es auch anders sein – „Egypter“.

Ägypten im Artland (Niedersachsen)

Artland. Der Name der Region klingt nach „Kunst“. Das liegt nahe, ist aber nicht richtig: Einige Historiker vermuten, dass sich „Artland“ vom indogermanischen Verb „ar“ und dem lateinischen „arare“ („ackern“ oder „pflügen“) ableitet. Andere wiederum führen den Namen auf die Bezeichnung „Aortland“ zurück: ein Zusammenschluss aus verschiedenen Ortschaften. Den Familiennamen „Ortland“ habe ich hierzulande bereits einige Male gehört. Wenn das mal kein Zufall ist.

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