Herbstimpression (2)

Man sieht es, und man riecht es. Und das auch nicht erst seit heute oder gestern. Warum sich also noch großartig wundern: Der Herbst ist da! Und ich liebe das: Jogger mit Mützen, Frauen in schönen Stiefeln und Schals, Männer in adretten Mänteln, ein Glas Rotwein bei klassischer Musik, am Boden liegende Kastanien, begeisterte Kinder mit roten Bäckchen und – natürlich – bunte Blätter in der Vielzahl …

Ich wünsche uns allen lauschige Abende, endlose Spaziergänge und Rollkragenwohlfühlfeeling!



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Böhmische Dörfer

Morgendlicher Spaziergang durch den Park. Ich überhole zwei ältere Frauen und schnappe auf, wie die eine die andere fragt, ob diese ihr bei einer Häkelarbeit behilftlich sein könnte. „Meine Liebe, ich konnte noch nie gut häkeln oder stricken. Das sind für mich böhmische Dörfer.“ Böhmische Dörfer. Diese Wendung gebrauchen wir, wenn wir von etwas keine Ahnung haben – oder haben wollen. Soweit klar, aber was haben Unwissenheit oder Desinteresse mit Dörfern in Böhmen zu tun?

Ein kleiner Abstecher in die Geografie: Böhmen ist eine Region in Tschechien, die im 16. Jahrhundert sogar Königreich war. Westlich liegt Deutschland. Okay, prima. Und jetzt zur Sache: Trotz dieser Nachbarschaft unterscheiden sich die deutsche und die tschechische Sprache sehr. Der Deutsche hatte schon immer Probleme vor allem mit böhmischen Ortsnamen, konnte sie einfach nicht aussprechen. Für mich sind das böhmische Dörfer. So begann er schließlich auch auszudrücken, dass er von einer Sache nichts versteht …

Die Tschechen haben übrigens eine ähnliche Redewendung: Sie sprechen von spanischen Dörfern (die allerdings sind von Tschechien aus gesehen richtig weit weg) … Und auf Englisch sagt man bei etwas Unbekanntem It’s Greek to me (Das kommt mir Griechisch vor).

Aber letztlich ist es ganz egal, ob böhmische Dörfer oder doppeltes Niederländisch: Die ältere Frau aus dem Park hat vom Häkeln einfach keine Ahnung.

Kein böhmisches Dorf, dafür aber tschechisches Prag: Musiker auf der Karlsbrücke

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Vom Tuten und Blasen

Nein, dies ist kein erotischer Beitrag. Sehr wohl aber ein sprachwissenschaftlicher. Und das ist ja auch nicht schlecht. Ich ärgere mich gerade über jemanden, der vom Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Mann, könnte ich mich über den aufregen! Mache ich aber nicht, denn das bringt ja nichts – außer vielleicht dem Verlust zahlreicher wichtiger Nerven. Nein, da beschäftige ich mich doch lieber mit Sprache und gehe diesem Spruch mal auf die Spur. Vom Tuten und Blasen keine Ahnung haben.

Wir haben es schon erfahren: Viele Phrasen und Wendungen gehen bis weit ins Mittelalter zurück – so auch diese. Wir wissen auch, dass es im Mittelalter keine Alarmanlagen oder ähnliche Warnsysteme gab. Auch eine 110 in Tastenform auf dem Handy nicht. Was – oder wen – es aber sehr wohl gab, waren Nachtwächter, die nachts durch die Straßen patrouillierten und für Ruhe und Ordnung sorgten. Musste jemand vor etwas gewarnt werden, blies der diensthabende Nachtwächter in sein Horn. Irgendwie muss man sich ja bemerkbar machen.

Eine ehrenvolle Aufgabe? Sollte man meinen. Aber Nachtwächter zu sein, war zu dieser Zeit nicht besonders hoch angesehen. In den Augen der Menschen gehörte nicht viel zu diesem Beruf: umherlaufen und ins Horn blasen, das konnte schließlich jeder. Und wer nicht einmal dazu fähig war, der galt als ganz besonders dumm, der hatte eben vom Tuten und Blasen keine Ahnung.
So ist das bis heute geblieben.

Jetzt geht es mir schon viel besser. Sprache hilft bei Unmut meist.
Ich wünsche allen ein erholsames Wochenende!

Haben Ahnung vom Tuten und Blasen: Musiker bei der Probe

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