Der Orkan im Wasserglas

Alle Welt redet derzeit vom großen, bösen Wulff. Es wird ein richiger Orkan daraus gemacht. Zu recht oder zu unrecht? Da scheiden sich die Geister, Politiker, Medien und anderen Wesen. Ich selbst würde daraus vielleicht eher einen Sturm machen, einen Sturm im Wasserglas. Aber darunter? Darunter würde ich dann doch nicht gehen. Denn ein Kavaliersdelikt ist das nicht, was der liebe Christian da so alles verzapft hat. Dennoch denke ich: Es gibt doch wirklich Schlimmeres. Warum beschäftigt sich das Land nicht mit wichtigeren Dingen?

Was mich als Sprachwissenschaftlerin (die ich ja auch bin) im Augenblick viel mehr interessiert, ist der sprichwörtliche Sturm im Wasserglas. Die Redewendung bezieht sich ja bekanntermaßen auf ein Ereignis, um das man ein großes Trara macht. Sie geht zurück auf Charles de Montesquieu. Der französische Schriftsteller beschrieb im 18. Jahrhundert die politischen Unruhen in San Marino in Honoré de Balzacs Erzählung „Der Pfarrer von Tours“ als (frei übersetzt) „einen Sturm im Wasserglas“. In Deutschland wurde der Ausdruck 1930 durch eine gleichnamige Komödie des Schriftstellers Bruno Frank bekannt.

Aber letztlich ist es ganz egal, worum es sich handelt: um einen Orkan oder einen Sturm. Das Wasserglas wird wohl noch eine ganze Weile vibrieren in der Affäre Wulff.

Die lobe ich mir: Stilvolle Gläser. So ganz ohne Wirbelsturm oder Orkan – und vielleicht mit einem edlen Tropfen darin.

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Bismarck mit Zahnlücke und Sommersprossen

Der Stern-Cartoonist Til Mette über das Zeichnen und andere Leidenschaften.

Regelmäßige Leser des Magazins Stern dürften ihn kennen – und wenn nicht ihn selbst, so doch zumindest seine Cartoons: Gotthard-Tilmann Mette, kurz: Til Mette. Der Cartoonist, Maler und Buchautor verzeichnet Themen aus Gesellschaft und Politik auf witzige bis skurrile Weise. Oft verarbeitet der 55-Jährige dabei aktuelle Ereignisse aus aller Welt. 2009 erhielt er für seine Werke den Deutschen Karikaturpreis in Gold. Til Mette studierte Geschichte und Kunst in Bremen, heute lebt er mit seiner Frau in den USA. Ich habe mich mit dem Künstler über sein Leben und Schaffen unterhalten.

Herr Mette, wie kamen Sie zum Cartoonzeichnen, und wann wurde aus dem Hobby Beruf?
In der Schule habe ich oft meine Schulbücher vollgekritzelt, Bismarck zum Beispiel eine Zahnlücke und Sommersprossen und Hitler ein paar Schläfenlöckchen verpasst. Erste Cartoons habe ich in Schülerzeitungen veröffentlicht, später als Student dann in alternativen Stadtzeitungen. Ich finde am Cartoonzeichnen toll, dass man schon mit einer Zeichnung fertig ist. Noch nie in meinem Leben habe ich einen Comic gezeichnet. Da würden mir nach dem ersten Bild der Geschichte schon die Ideen ausgehen.

Haben Sie auch Lehrgänge oder Schulungen fürs Zeichnen absolviert?
Nein, ich war immer Autodidakt. Und das sieht man meinen Zeichnungen auch an. Vor fünfzehn Jahren beschwerten sich viele Stern-Leser über meinen wackelig-krakeligen Strich. Das höre ich heute nicht mehr, obwohl es immer noch wackelt und krakelt. Ich bin meinem Redakteur sehr dankbar, dass er mich einfach hat machen lassen.

Sie zeichnen Gesellschaftskritisches. Haben Politik und Wirtschaft Sie schon immer interessiert?
Menschen interessieren mich – und damit vielleicht auch Wirtschaft und Politik. Andere Zeichner kümmern sich um lustige Mäuse und Bären oder Pinguine. Ich mag Tiere nicht besonders, höchstens in freier Wildbahn – oder als Kotelett. Mir gefällt, wenn der Leser mithilft, den Witz zu entwickeln, wenn er mitdenkt. Deshalb zeichne ich auch eher kompliziertere Cartoons. Manchmal ist mein Humor den Lesern zu schwarz, aber meist kommt er gut an.

2009 haben Sie den Deutschen Karikaturenpreis in Gold gewonnen. Wie war das für Sie?
Ich wurde ein paar Wochen nach der Jurysitzung angerufen. Man sagte mir, dass ich einer der Preisträger bin und damit auch zur Verleihung nach Dresden fahre. Ich saß dann im Dresdener Schauspielhaus in der dritten Reihe neben meiner Frau und habe mich sehr über den ersten Preis gefreut.

Haben Sie Vorbilder in Sachen Cartoonzeichnen?
Ja, zum Beispiel Leo Cullum. Das war ein amerikanischer Cartoonist, der leider im vergangenen Jahr verstorben ist. Er war ein unglaublich witziger Zeichner. Ich habe ein paar Bücher von ihm und habe ihn immer bewundert. Vorbilder erleichtern einem auch die Arbeit, weil man sich an ihnen orientieren kann. Da sollte man aber nicht nur ein Vorbild haben, sondern eine ganze Reihe. Zum Beispiel sind meine Vorbilder für bekloppte Sportarten heterosexuelle Synchronschwimmer.

Sie haben auch das Thema Weihnachten verzeichnet. Wie stehen Sie persönlich zum Fest?
Wenn Sie Kinder haben, kommen Sie gar nicht um Weihnachten herum. Und so war das ja auch, als ich Kind war. Es ist eine schöne Familientradition.
Ich wünsche allen ein tolles Jahr 2012!

Karrikaturist Til Mette

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Auf ein Neues …

Liebe Leser!

Und jährlich grüßt das Murmeltier. Der Wecker klingelt, 2012 ist angebrochen. Zunächst einmal wünsche ich allen ein glückliches, aufregendes und gesundes Jahr!

Nach drei Wochen sitze ich wieder an meinem geliebten Schreibtisch. Ein schönes Gefühl ist das, wieder zu Hause zu sein. Und doch bin ich seltsam melancholisch. So wie immer, wenn ich etwas hinter mir lasse – das Jahr 2011 oder eben eine Reise. Ich hänge den jüngsten Erinnerungen nach, denen an das Land des Lächelns.

Noch am Morgen des 30. Dezembers 2011 stehe ich in roten Flip-Flops an einem fernen Thailändischen Strand. Longtail-Boote tuckern auf dem Wasser, drahtige Thais schleppen Anglerzubehör umher. Es ist sieben Uhr am Morgen. Abschied nehmen ist angesagt – vom Meer, von Ebbe und Flut, von Tom Ka Ga und den wohl freundlichsten Menschen der Welt. Es sind gemischte Gefühle, die ich habe. Traurig bin ich aber nicht, denn ganz sicher werde ich wiederkommen. Es gibt noch so wahnsinnig viel zu entdecken … Meine Eindrücke und Erlebnisse werde ich natürlich wieder mit euch teilen. Fotos wird es auch zu sehen geben. Habt noch ein wenig Geduld, ich muss erst einmal ankommen und Luft holen.

Herzlich,
Coralita

Glücksmoment – gesehen irgendwo in Thailand.

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