Raus da, Du Wurm!

Unterwegs in der Wilmersdorfer Straße. „Druckerpatronen“ steht da auf meiner Einkaufsliste. Teuer sind die Dinger, aber was sein muss, muss eben sein. Und manchmal braucht man ja auch einen gewissen „Druck“, um anständig arbeiten zu können. Ich kichere vor mich hin ob dieses Wortspiels. Ein Lied geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Wer hat soviel Pinkepinke, wer hat so viel Geld ... Ausgerechnet das. Was Werbung alles mit einem macht. Hoffentlich werde ich den bald wieder los, diesen Ohrwurm.

Was haben Würmer eigentlich mit Musik zu tun? Sind Ohrwürmer Würmer, die sich – sinnbildlich – tief in das Ohr graben und nicht mehr herauszukriegen sind?
Nein, Ohrwürmer sind keine Würmer, sondern Insekten, lese ich. Und sie hatten ursprünglich auch nichts mit Musik zu tun.
Man lese und staune: Würmer wurden in der Antike getrocknet und zerrieben, um dann anschließend als Heilmittel gegen Ohrenkrankheiten gebraucht zu werden.
Na, wenn’s denn hilft …

Im Laufe der Zeit jedenfalls fand das Wort (genau wie das Heilmittel) immer weniger Anwendung im Sprachgebrauch. Es wurde immer weniger verstanden und sogar mit etwas Schädlichem in Verbindung gebracht: Ohrwürmer würden durch das Ohr ins Hirn kriechen, glaubte man. So wurde es Kindern erzählt, die an Ohrenschmerzen litten. Die armen Kinder – alleingelassen mit ihren Fantasien. Dabei muss ich an meine kleine Schwester denken. Als Kind verschluckte sie einmal einen Kirschkern.
„Jetzt wächst in Dir ein Baum! Und dann kommen Zweige aus Deinen Ohren!“, so die andere Schwester.
Angstvoll heulend rannte die Kleine damals zur Mutter – und wir großen Schwestern lachten. Heute bereue ich diese Schadenfreude natürlich zutiefst!

Zurück zum Thema: Der Ohrwurm, so wie wir ihn heute kennen, wurde erst mit Paul Lincke in Verbindung gebacht. Im Jahr 1897 soll er die Melodien seiner Operette „Frau Luna“ Ohrwürmer genannt haben.

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Das kann doch kein Schwein lesen!

Ich reiche dem Liebsten ein handschriftlich von mir verfasstes Schriftstück. Er liest, lächelt, liest weiter. Scheint ihm zu gefallen, was da steht. Schön schön. Doch dann bleibt er sekundenlang an einem Satz hängen. Er senkt seinen Kopf, um das Papier den Augen noch näherzubringen. Stirnrunzeln. „Das kann doch kein Schwein lesen.“ Ich kläre ihn auf, sage ihm, was da steht. Und ärgere mich über meine Handschrift. Schon in der ersten Klasse hatte ich keine sonderlich gute Note in Schönschrift. Es war zum Verzweifeln. Na, das wird wohl jetzt auch nicht mehr. Wie gut, dass da Tippen heute so in Mode ist.

Kann kein Schwein lesen … Warum sollten Schweine auch lesen können? Das ist doch absurd. Schon wieder so ein Spruch: oft gehört – und keine Ahnung, woher er kommt. Da hilft nur eins: nachschlagen. Kurz und knackig ist die Erklärung: Das kann kein Schwein lesen stammt ab von: Dat kann keen Swyn lesen. Bitte was? Oder wer? Ach so: Die Swyns aus Dithmarschen in Schleswig-Holstein waren eine sehr gebildete Familie. Man nahm sich ein Beispiel an ihr. Und wenn selbst die Swyns ein Schriftsstück nicht entziffern konnten, wollte das etwas heißen: Dat kann keen Swyn lesen! eben. Na, und diese Aussage hat sich bis in die heutige Zeit gehalten. Und kein Schwein weiß mehr, wer die Familie Swyn war.

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