Zehn Momente, in denen ich gern die Zeit angehalten hätte

Dass die Jahre mit Kindern schneller zu vergehen scheinen, ist eine Erfahrung, die wohl alle Eltern machen. Ich wünsche mir manchmal, die Zeit einfach anhalten zu können. Ein paar dieser Augenblicke – es sind natürlich weit mehr als nur zehn – teile ich hier mit euch.

Nach der Geburt

Ich habe keine schlechte Erinnerung an die Geburten meiner Söhne, worüber ich bis heute sehr dankbar bin. Als mir unser erster Sohn nach der Austreibung von seinem Vater auf die Brust gelegt wurde, habe ich geweint (eigentlich habe ich richtiggehend geschluchzt …) – vor Freude, vor Rührung, Ergriffenheit … ein echtes Baby, aus mir heraus, unfassbar oder?

Und ja, ich war auch erleichtert, dass der Geburtsschmerz endlich vorbei war …

So oder so ähnlich war es auch beim zweiten Kind. Ich habe „nur“ zwei Kids, aber es ist immer ein Wunder, wenn ein kleiner Mensch das Licht der Welt erblickt. (Ich habe eine Freundin, die neun Kinder hat und die genau das bestätigen kann …)

Durchschneiden der Nabelschnur

In diese Kategorie fällt auch das Durchschneiden der Nabelschnur unseres zweiten Kindes: Der Papa musste sich nach dem Blasensprung ziemlich schnell um die Betreuung unseres älteren Sohnes kümmern und konnte bei der zweiten Geburt nicht dabei sein: Es ging einfach zu schnell. Nach dem Auspulsierenlassen der Nabelschnur griff ich also dieses Mal selbst zur Schere. Eine unglaubliche Erfahrung, mein wunderschönes Baby selbst von mir zu „trennen“. Und ich gestehe: Ich habe mir damit richtig Zeit gelassen und es richtig intensiv erleben können.
Übrigens: Dass der Papa dieses Mal nicht dabei war, hatte neben all der Aufregung auch etwas Schönes: Wir zwei, Baby K. und ich, konnten uns vollends aufeinander konzentrieren. Die Welt stand still – und mit ihr auch die Zeit.

Wenn das Baby an Deiner Brust einschläft

Dies ist eine Erinnerung, die ich hoffentlich noch lange werde abrufen können (einmal abgesehen davon, dass ich unseren Vierjährigen noch stille): Das Baby hat getrunken, es ist müde, die Augenlider werden schwer, es dockt von der Brust ab, sein Atem geht langsamer. Es ist ein Bild des Friedens und der Ruhe. Ein kleiner Tropfen Muttermilch läuft seinen Mundwinkel herunter. Das Kind schläft friedlich an der Brust – es ist selig, und Du bist es auch.

Die ersten Schritte

Wenn Baby beginnt zu laufen, hältst Du den Atem an. Wird er es schaffen, einen Fuß vor den anderen zu setzen … ? Er schafft es. Du bist stolz, aber er: noch viel mehr! Und dieses Strahlen in seinen Augen! Wieder hat er sich – und jetzt nicht mehr nur symbolisch – einen Schritt von Dir losgelöst …

Wenn sich die kleinen Händchen um mein Gesicht schmiegen

… und mir ein glockenhelles Jungenstimmchen herzhaft zuraunt: „Mama, ich habe Dich sooo lieb.“ Augen, die leuchten. Ein feuchter Schmatzer legt sich auf meine Lippen, große Kinderaugen strahlen mich an. Mein Gott, was für eine Liebeserklärung, die schönste der Welt. Keine Wort mehr.

Ich kann das allein!“

Ich erinnere mich noch genau daran. Eines Morgens, als es einmal besonders schnell gehen musste, durfte ich meinem Sohn die Schuhe nicht mehr anziehen. Da kam er plötzlich, der Satz: „Mama, ich kann das schon allein.“ Und da musste ich sie wirklich anhalten, alle Hektik – und die Zeit.

Wenn die Jungs sich unterhalten

Ich bereite das Abendessen vor. Die Kinder spielen im Wohnzimmer auf dem Teppich mit dem „kleinen Lego“. K. (vier Jahre) ist der blaue Ninja („Jay“, soviel Aufklärung muss sein), P. (sieben Jahre) spielt einen „Fiesewicht“, nämlich: Lord Garmadon („Mama, der ist nicht immer fies, aber meist.“). Irgendwann schweifen ihre Gedanken vom Spiel ab, und sie unterhalten sich plötzlich über den Kindergarten und die Schule. Die Themen: Freunde, Spiel und Spaß. Es sind Dinge, die sie gerade beschäftigen, Momente, die sie miteinander teilen. Und mir geht das Herz auf. Ich bin dankbar und froh für die beiden, dass sie sich so gut verstehen (ja, sie streiten auch) – und einander haben, Freunde sind. Lausche ich solchen Gesprächen, möchte ich alles um mich herum abschalten und ja: die Zeit anhalten.

Im gemeinsamen Spiel

Wenn wir alle „Mensch, ärgere Dich nicht!“ spielen, scheint die Zeit manchmal wirklich stehen zu bleiben. Konzentrierte Blicke, völlig versunken ins Gewürfle und Figurengesetze … „Seeeechs!“ brüllt der Vierjährige, und seine Augen leuchten triumphierend auf. Und dieses freudige Glucksen, das eigentlich nur noch durch das Gegacker beim Durchkitzeln getoppt werden kann.

Vor jedem neuen Geburtstag

… lasse ich das vergangene Jahr an mir vorüberziehen, erinnere mich an unsere gemeinsamen zwölf Monate. Und verabschiede mich von einem Alter, das mein Kind nie wieder haben wird …

Last, but not least: Wenn die Kinder schlafen

… beobachte ich sie natürlich besonders gern. Klar, welchem Papa oder welcher Mama geht das nicht so? Nicht, weil sie dann etwa hübscher anzusehen wären, sondern ganz einfach deshalb, weil sie still halten! Auf diese Weise kann ich die feinen Konturen ihrer Gesichtchen ausgiebig bewundern – und zwar so lange ich es will. Ausgeliefert! Harharhar. Die geschlossenen Augen so friedlich, so entspannt, so engelsgleich. Die Münder halb geöffnet, die pausigen Wangen so rosig. Ab und zu ein Seufzer der Zufriedenheit … Der Himmel auf Erden oder?

Hinweis: Dieser Text erschien erstmals im Online-Magazin Hallo:Eltern.

Mit dem zweiten sieht man … anders.

Spaghetti? Gehen wohl bei jedem Kind.

Das erste Mal schwanger, das erste Mal ein Kind großziehen. Eine der aufregendsten Erfahrungen überhaupt. Klar, dass man sich da so richtig ins Zeug legt und sich möglichst vorbildlich verhalten möchte. Doch wie sieht das beim zweiten Kind aus? Zehn Dinge, die wirklich „anders“ sind.

1. Schwangerschaft

Als ich mit unserem ersten Kind schwanger war, führte ich einen Babyblog. Der Babybauch wurde geölt und bekuschelt, wir hörten klassische Musik und schliefen viel. Es war eine entspannte Schwangerschaft.

Mit Baby Nummer zwei war alles anders: Weil ich bereits einen Alltag mit Kleinkind zu bewältigen hatte, blieb wenig Zeit, mich mit dem heranwachsenden Kind in meinem Bauch zu beschäftigen.

2. Nestbautrieb

Was kaufte, hortete und hübschte ich auf, als unser erstes Baby unterwegs war! Es kamen uns Babybettchen, Kinderwagen, Laufstall und zur Sicherheit noch Fläschchen ins Haus. Alles Dinge, die man im Grunde gar nicht benötigt. Aber das sollte ich natürlich erst später in der Praxis erfahren …

All die Anschaffungen blieben bei Kind Nummer zwei aus. Lediglich eine Tragehilfe schaffte ich an – und die war Gold wert.

3. Geburt

Gegen Ende der ersten Schwangerschaft ging es mir richtig gut, ich wusste ja nicht, was mich erwartete. Natürlich hatte ich einen Vorbereitungskurs besucht, hatte gehechelt und gepresst, aber die Realität sah natürlich anders aus …

Vor der Niederkunft mit unserem zweiten Sohn hingegen hatte ich Angst. Ich konnte mich zwar nicht mehr an den Wehenschmerz erinnern, doch wohl daran, dass eine Grenzerfahrung für mich war.

4. Stillen

Bei diesem Thema scheiden sich bekanntermaßen die Geister … Für mich war klar: Ich möchte stillen … Aber was habe ich mich beim ersten Kind gestresst. Was habe ich mich deshalb verrückt gemacht, meine Kompetenzen als Mutter infrage gestellt, wenn es nicht so klappte!

Bei Baby Nummer zwei war ich mir sicher: Ich möchte wieder stillen, aber diesmal bitte stressfreier. Zum Glück ging diese Rechnung auf (vielleicht aber nur deshalb, weil ich eben entspannter war).

5. Co-Sleeping

Unser erster Sohn wurde gerade erst geboren, da schallte es schon aus allen Ecken und Enden: „Schläft er schon im eigenen Zimmer?“ Äh … „Also, in einem Schlafsack im eigenen Babybettchen ist ja am sichersten. Plötzlicher Kindstot und so.“ Ähm … „Du kannst ihm sanft antrainieren, dass er allein schläft …“ Nein, nein und nochmals nein.

Wir haben sie natürlich ausprobiert, die Sache mit dem Babybett. Als der Kleine weinte, haben wir ihn instinktiv sofort wieder zu uns genommen – die richtige Entscheidung. Wer schläft schon gern allein? Beim zweiten Sohn handelten wir sofort, wie der Bauch uns riet: Ab ins Familienbett mit Groß und Klein! (Quizfrage: Hatten Steinzeitbabys eigene Bettchen oder kuschelten sich alle Familienmitglieder eng aneinander?)

6. Zubettbringen

„Irgendwann muss er aber lernen, allein in seinem Bett einzuschlafen.“ Ich korrigiere: Irgendwann wird er es von ganz allein wollen. Und der andere auch. Einen Unterschied gab und gibt es bei unseren Jungs aber doch: Der „Große“ wurde ab dem Alter von zweieinhalb Jahren in seinem Bett in den Schlaf begleitet – um nachts zu uns Eltern zu kommen. (Er hatte für später ein schickes, rotes Autobett von den Großeltern bekommen, da wollte er unbedingt rein!).

Baby Nummer zwei muss gar nicht erst wandern: Er schläft da, wo er seine geforderte Elternnähe bekommt. Solange er das möchte – und natürlich wir Eltern.

7. Babyschwimmen

Ich erinnere mich noch genau, wie wir mit Baby P. vor über sechseinhalb Jahren motiviert zum Babyschwimmen gingen. Es war eine kleine Runde von fünf Babys mit ihren Eltern. Angenehm war das, aber hinterher waren wir alle ziemlich erschöpft. Alles in allem war es eine Erfahrung, die man machen kann, aber irgendwie nicht muss …

Als Baby K. geboren wurde, nahmen wir uns vor: Wir gehen wieder zusammen baden, diesmal zu viert. Doch der zweite Knirps hasste das Babyschwimmen, er fing nach einigen Minuten regelrecht das Schreien an. Nach drei Wochen gaben es wir es trotz bereits vollständig bezahltem Kurs auf – und es war gut so für uns alle vier.

8. Süßigkeiten müssen doch nicht sein?

So in etwa hielt ich es mit Nummer eins, und es war recht einfach: P. hatte noch keine Geschwister, er kannte einfach noch keine „klassischen“ Süßigkeiten. Er begnügte sich mit Rosinen, selbstgemixten Smoothies und mit zerkleinerten Datteln gesüßten Keksen. Im Kindergarten kam mein Sohn dann auf den Geschmack und fragte explizit nach Süßigkeiten wie Schokolade, Kaubonbons oder Gummibärchen. Das war dann auch in Ordnung für uns Eltern. In Maßen, natürlich, auch das funktionierte ganz gut.

Als Kind Numero zwo etwa zehn Monate alt war und seinen älteren Bruder Süßigkeiten naschen sah, wollte er natürlich auch. Die Schokolade war sein.

9. Rituale und Regeln

„Kindern muss man Grenzen setzen, sie brauchen Rituale.“ Wie oft habe ich diese Worte von älteren Familienmitgliedern gehört. Ganz wichtig finde ich für unsere gesamte Familie das Vorlesen vor dem Schlafengehen. Eine gewisse Reihenfolge im Alltagsablauf lassen sich mit einem ersten Kind wunderbar umsetzen.

Kommt ein zweites ins Spiel, funktioniert einiges einfach nicht mehr so oder eben ungeordneter.

10. Fernsehen

Zu viel vor der Glotze oder dem Tablet hängen ist schädlich? Ja, dachten wir als junge Erstlingseltern. Und achteten darauf, dass unser Sohn möglichst wenig fernsieht.

Beim zweiten Jungen lief es natürlich ganz anders: Er sah bereits im zarten Alter von einem Jahr mit. Und wir Eltern? Entspannen zunehmend, erinnern uns, wie es zu unserer Zeit war: nämlich gar nicht anders.

„Süßes oder Saures“: trotz Corona an Halloween um die Häuser ziehen?


Es sind harte Zeiten für uns alle: Corona wütet, die Infektionszahlen steigen wieder. Wir Eltern sind angespannt – den Gedanken an den zweiten Lockdown inklusive Home-Office, Home-Kindergardening und Home-Schooling immer im Hinterkopf. Deshalb ist es mir vor allem jetzt wichtig, es uns zu Hause „hyggelig“ (Dänisch für „gemütlich“) zu machen, wo es nur geht – und trotzdem mit den Kindern an dem teilhaben zu können, was die Jahreszeiten zu bieten haben: Im Herbst gehört das Süßigkeiten-Erhaschen an Halloween einfach dazu. Normalerweise gehen Eltern mit ihren Kindern (oder größere Kids allein) von Haustür zu Haustür und fordern gruselig verkleidet Schokolade, Gummibärchen und Bonbons ein. Am letzten Oktobertag dieses Jahres wird das ja nun etwas anders ablaufen als in den Vorjahren. Wie kann das aussehen – und trotzdem schön werden? Darüber habe ich mir hier ein paar Gedanken gemacht.

Eigentlich ist es ja so: Wir ziehen zusammen los, ohne groß nachzudenken. Hauptsache laut, schaurig und spaßig. Die Kinder verabreden sich mit anderen Kids, verkleiden sich als Gespenster, Monster oder Riesenkürbisse und marschieren gemeinsam und fröhlich plappernd in freudiger Erwartung der zahllosen Süßigkeiten und eventuellen Streiche los – mit orangefarbenen Eimern in der Hand und uns Eltern als dezente Gefolgschaft im Hintergrund … Hach, was war das schön und sorglos damals …
In diesem Jahr wird unser Halloween-Spaziergang am 31. Oktober wohl wegen des Virus‘ etwas anders ablaufen als sonst – mit Mindestabstand und Mund-Nasen-Schutz (den immerhin in Form einer schaurigen Skelettmaske). Und dann?

Süßes oder Saures“ einmal anders

Wir sind eine vierköpfige Familie und leben am Rande einer niedersächsischen Großstadt. Es ist schön grün, ländlich, gute Bauernluft schwebt dann und wann heran. Mehrfamilienhäuser gibt es hier nicht viele. Darüber, dass wir uns also nicht in engen Treppenhäusern an andere Menschen drängen müssen, bin ich jetzt besonders dankbar.

Was wird wohl noch anders werden? Es wird eher kaum bis gar keinen persönlichen Kontakt zu den „Süßkramspendern“ geben: Viele Menschen werden (so auch wir) mehr dekorieren, es sich daheim hübsch und gemütlich (Entschuldigung, ich meine: gruuuselig!) einrichten. Die meisten Leute werden ihre Süßigkeiten vor der Tür abstellen und gar nicht erst öffnen. Und das ist ja auch vernünftig und zur Zeit eben für alle das Beste. Dennoch frage ich mich, wo da eigentlich der Spaß bleibt, wenn die Kids die Nachbarn nicht mit Phrasen wie „Süßes oder Saures“ oder „Gebt uns schnell was Süßes her, sonst werfen wir mit Klopapier!“ bombardieren können … ?


„Gebt uns schnell Ideen her, sonst bleibt das Beutelchen noch leer?“

Beim Schreiben kommt mir gerade folgende Idee: Ich werde unsere alte Babyrutsche vor die Tür stellen! Bahnhof? Aufklärung folgt: Klingeln dann Kinder bei uns, werden wir sie bitten, ihre Eimer oder Beutel direkt an beziehungsweise unter die Rutschfläche zu halten, um dann – tadaa! – den leckeren Süßkram direkt hineingleiten zu lassen. Das ist doch eine gute Möglichkeit, um kontaktlos und dennoch persönlich zu handeln oder? Oder diese hier: Befindet sich euer Hauseingang über einer Treppe, könntet ihr einen simplen Seilzugmechanismus einrichten, an dem die Kids ihre Behälter einhaken/festbinden können – und ihr legt dann etwas hinein (dass es bitte nur originalverpackte Süßigkeiten sein sollten, sollte natürlich klar sein … ). Wie zu Ostern könntet ihr die Süßigkeiten verstecken und an der Haustür einen Hinweis darauf geben. Oder ihr macht ein lustiges Wurfspiel daraus … Oder oder oder: Kreative Möglichkeiten gibt es da zum Glück viele.

Meine Kinder werde ich jedenfalls vor dem Loslaufen an Halloween auf alle Eventualitäten vorbereiten. Spaß haben werden wir trotzdem – egal, wie es kommt …

Und wenn jetzt schon nicht von Tür zu Tür oder Hand zu Hand, dann auf jeden Fall von Browser zu Augen: Euch allen ein wunderbares, liebevolles und schaurig-schönes Halloween!

Mit dem zweiten sieht man alles anders

Das erste Mal schwanger, das erste Mal ein Kind großziehen. Eine der aufregendsten Erfahrungen überhaupt. Klar, dass man sich da so richtig ins Zeug legt und sich möglichst vorbildlich verhalten möchte. Doch wie sieht das beim zweiten Kind aus?

1. Schwangerschaft

Als ich mit unserem ersten Kind schwanger war, führte ich Babyblog. Der Babybauch würde geölt und bekuschelt, wir hörten klassische Musik und schliefen viel. Es war eine entspannte Schwangerschaft. Mit Baby Nummer zwei war alles anders: Weil ich bereits einen Alltag mit Kleinkind zu bewältigen hatte, blieb wenig Zeit, mich mit dem heranwachsenden Kind in meinem Bauch zu beschäftigen.

2. Nestbautrieb

Was kaufte, hortete und hübschte ich auf, als unser erstes Baby unterwegs war! Es kamen uns Babybettchen, Kinderwagen, Laufstall und zur Sicherheit noch Fläschen ins Haus. Alles Dinge, die man im Grunde gar nicht benötigt. Aber das sollte ich natürlich erst später in der Praxis erfahren … All die Anschaffungen blieben bei Kind Nummer zwei aus. Lediglich eine Tragehilfe schaffte ich an – und die war Gold wert.

3. Geburt

Gegen Ende der ersten Schwangerschaft ging es mir richtig gut, ich wusste ja nicht, was mich erwartete. Natürlich hatte ich einen Vorbereitungskurs besucht, hatte gehechelt und gepresst, aber die Realität sah natürlich anders aus … Vor der Niederkunft mit unserem zweiten Sohn hingegen hatte ich Angst. Ich konnte mich zwar nicht mehr an den Wehenschmerz erinnern, doch wohl daran, dass eine Grenzerfahrung für mich war.

4. Stillen

Bei diesem Thema scheiden sich bekanntermaßen die Geister … Für mich war klar: Ich möchte stillen … Aber was habe ich mich beim ersten Kind gestresst. Was habe ich mich deshalb verrückt gemacht, meine Kompetenzen als Mutter infrage gestellt, wenn es nicht so klappte! Bei Baby Nummer zwei war ich mir sicher: Ich möchte wieder stillen, aber diesmal bitte stressfreier. Zum Glück ging diese Rechnung auf (vielleicht aber nur deshalb, weil ich eben entspannter war).

5. Co-Sleeping

Unser erster Sohn wurde gerade erst geboren, da schallte es schon aus allen Ecken und Enden: „Schläft er schon im eigenen Zimmer?“ Äh … „Also, in einem Schlafsack im eigenen Babybettchen ist ja am sichersten. Plötzlicher Kindstot und so.“ Ähm … „Du kannst ihm sanft antrainieren, dass er allein schläft …“ Nein, nein und nochmals nein. Wir haben sie natürlich ausprobiert, die Sache mit dem Babybett. Als der Kleine weinte, haben wir ihn instinktiv sofort wieder zu uns genommen – die richtige Entscheidung. Wer schläft schon gern allein? Beim zweiten Sohn handelten wir sofort, wie der Bauch uns riet: Ab ins Familienbett mit Groß und Klein! (Quizfrage: Hatten Steinzeitbabys eigene Bettchen oder kuschelten sich alle Familienmitglieder eng aneinander?)

6. Zubettbringen

„Irgendwann muss er aber lernen, allein in seinem Bett einzuschlafen.“ Ich korrigiere: Irgendwann wird er es von ganz allein wollen. Und der andere auch. Einen Unterschied gab und gibt es bei unseren Jungs aber doch: Der „Große“ wurde ab dem Alter von zweieinhalb Jahren in seinem Bett in den Schlaf begleitet – um nachts zu uns Eltern zu kommen. (Er hatte für später ein schickes, rotes Autobett von den Großeltern bekommen, da wollte er unbedingt rein!). Baby Nummer zwei muss gar nicht erst wandern: Er schläft da, wo er seine geforderte Elternnähe bekommt. So lange er das möchte – und natürlich wir Eltern.

7. Babyschwimmen

Ich erinnere mich noch genau, wie wir mit Baby P. vor über sechseinhalb Jahren motiviert zum Babyschwimmen gingen. Es war eine kleine Runde von fünf Babys mit ihren Eltern, angenehm war das, aber hinterher waren wir alle ziemlich erschöpft. Alles in allem war es eine Erfahrung, die man machen kann, aber irgendwie nicht muss … Als Baby K. geboren wurde, nahmen wir uns vor: Wir gehen wieder zusammen baden, diesmal zu viert. Doch der zweite Knirps hasste das Babyschwimmen, er fing nach einigen Minuten regelrecht das Schreien an. Nach drei Wochen gaben es wir es trotz bereits vollständig bezahltem Kurs auf – und es war gut so für uns alle vier.

8. Süßigkeiten müssen doch nicht sein?
So in etwa hielt ich es mit Nummer eins, und es war recht einfach: P. hatte noch keine Geschwister, er kannte einfach noch keine „klassischen“ Süßigkeiten. Er begnügte sich mit Rosinen, selbstgemixten Smoothies und mit mit zerkleinerten Datteln gesüßten Keksen. Im Kindergarten kam mein Sohn dann auf den Geschmack und fragte explizit nach Süßigkeiten wie Schokolade, Kaubonbons oder Gummibärchen. Das war dann auch in Ordnung für uns Eltern. In Maßen, natürlich, auch das funktionierte ganz gut. Als Kind Numero zwo etwa zehn Monate alt war und seinen älteren Bruder Süßigkeiten naschen sah, wollte er natürlich auch. Die Schokolade war sein.

9. Rituale und Regeln

„Kindern muss man Grenzen setzen, sie brauchen Rituale.“ Wie oft habe ich diese Worte von älteren Familienmitgliedern gehört. Ganz wichtig finde ich für unsere gesamte Familie das Vorlesen vor dem Schlafengehen. Eine gewisse Reihenfolge im Alltagsablauf lassen sich mit einem ersten Kind wunderbar umsetzen. Kommt ein zweites ins Spiel, funktioniert einiges einfach nicht mehr so oder eben ungeordneter.

10. Fernsehen

Zu viel vor der Glotze oder dem Tablet hängen ist schädlich? Ja, dachten wir als junge Erstlingseltern. Und achteten darauf, dass unser Sohn möglichst wenig fernsieht. Beim zweiten Jungen lief es natürlich ganz anders: Er sah bereits im zarten Alter von einem Jahr mit. Und wir Eltern? Entspannen zunehmend, erinnern uns, wie es zu unserer Zeit war: nämlich gar nicht anders.

(Die Erstpublikation dieses Texts erschien bei Hallo:Eltern)

Schritt für Schritt ins Leben …

„Mama, wann darf ich denn nun endlich mal allein zur Schule?“ P. sieht mich erwartungsvoll an, er stellt diese Frage nicht zum ersten Mal. Meine Antwort (leider auch nicht zum ersten Mal): „Nach dem Sommer sehen wir weiter. Okay, Schatz?“ Hoffentlich komme ich noch einmal damit durch … Mein fast Siebenjähriger runzelt die Stirn und schüttelt energisch den Kopf. „Nein, ich will den Schulweg heute üben.“ Mist. Heute gleich? Dann wird es jetzt also wirklich ernst.

Es ist Montag, es sind Ferien, wir verreisen erst in ein paar Tagen und haben nichts weiter vor. Der fast vierjährige Bruder K. springt wie ein Flummi auf und ab. „Jaaa, ich fahr‘ mit dem Laufrad!“ Na gut: Nicht lange fackeln. Einfach machen. Kurzerhand öffne ich die Garage und lasse den erfreuten P. seinen – bepackten – Ranzen aufhuckeln. „Hihi, da wundern sich die Leute bestimmt, weil doch keine Schule ist.“ Genau. Aber: Wenn schon, denn schon.

Üben heißt das Zauberwort

Bevor wir losgehen sprechen wir noch einmal über den gesamten Weg, den wir schon seit einem ganzen Schuljahr kennen. Und wichtige Fragen: „Was passiert, wenn dich ein Fremder anspricht? Und wenn er sagt, er hat zu Hause süße Hundebabys, du sollst mal mitkommen?“ Mein ältester Sohn grinst. „Na, dann gehe ich mit!“ Der Schalk blitzt ihm aus den braungrünen Kulleraugen. Und als er mein entsetztes Gesicht sieht, muss er lachen: „Ich gehe natürlich nicht mit, Mama.“ Ich sage: Damit macht man besser keine Scherze (mich schaudert es …). „Und was machst du, wenn die Fußgängerampel ausfällt?“ (Das ist sie bisher nicht, aber man weiß ja nie …) P. überlegt kurz. „Dann schaue ich gaaanz genau nach links und rechts und dann wieder nach links.“ Prima. Guter Junge.

Jetzt geht es los!

Wir wohnen in einer Spielstraße, das ist gut. „Aber auch hier muss man immer genau auf den Verkehr achten, schon beim Verlassen unserer Auffahrt“, mahne ich. Mein Sohn. K. indessen fährt schon mal kreuz und quer auf der Fahrbahn … Ich bedeute ihm, an meiner Seite zu bleiben.

Es geht los. P. marschiert mit seinem orangeleuchtenden Schulranzen voran. K. und ich laufen beziehungsweise fahren etwa vierzig oder fünfzig Meter hinter ihm. P. macht das gut, geht sicher auf der linken Seite.

Jetzt kommen wir zur relativ stark befahrenen Querstraße, einer Vorfahrtsstraße. P. schaut, biegt links in den Fußgängerweg, hält sich dort gut und sicher, die Radfahrer kommen gut an ihm vorbei. Mein Fratz dreht sich wenige Male um und winkt. Ich winke zurück. K. winkt ebenfalls und kreischt: „Halloooo!“

Einige Meter weiter folgt die nächste Querstraße. P. weiß, dass er „Vorfahrt“ hat, schaut dennoch nach links. Ein sich annäherndes Auto aus dieser Straße hält, P. überquert. Alles paletti.

Fünf Meter weiter: die Fußgängerampel: Mein Schulkind berührt die Ampelarmatur. Als das Signal von Rot auf Grün umschaltet, guckt P. rasch nach links und rechts und wieder links und geht. Ich bin so stolz auf ihn. Der schwierigste Teil der Strecke ist geschafft.

Fast da…

Jetzt geht es nur noch durch unseren tollen Park mit Rad- und Fußgängerweg, vorbei an einem großen See (zum Glück kann P. schwimmen), einem Kletterspielplatz (Gott sei Dank ist er sportlich) und einer Oberschule (und er kann Taekwondo!).

P. macht das wirklich prima, läuft gut am Rand. Ein paarmal möchte K. zu ihm fahren, ich erkläre immer wieder geduldig, warum das jetzt nicht sein soll.

Letzte Etappe vor dem Schultor: der Zebrastreifen. Am Morgen stehen hier Lotsen, die den Kindern helfen. Jetzt ist niemand da. P. schaut, geht, er ist angekommen. Er blickt sich nach uns um und strahlt. „Mama, geschafft!“

Als ich bei ihm ankomme, lobe ich ihn überschwänglich und sage, dass wir das jetzt noch ein paarmal üben. Und dass er dann allein zur Schule gehen darf. P. steht der Stolz ins Gesicht geschrieben. „Jaaa!“ Und ich denke: Er geht Schritt für Schritt in die Welt hinaus … aber erst einmal allein zur Schule. Mein Kind wird groß.